Palm-Chef Rubinstein
Streit um iTunes eskaliert

Mit dem neuen Palm Pre hat Jon Rubinstein seinen Kunden Zugang zum iTunes-Store des Konkurrenten Apple verschafft - und damit Steve Jobs zum Machtkampf herausgefordert. Die Auseinandersetzung um das Smartphone wird für den Palm-Sanierer zu einem gefährlichen Spiel: Scheitert Rubinstein, könnte die Existenz des Unternehmens gefährdet sein.

DÜSSELDORF. Steve Jobs gegen Jon Rubinstein: Nur Tage vor dem Europastart des Smartphones Palm Pre eskaliert der Streit der beiden Super-Egos im Silicon Valley. Es geht um den Zugang des iPhone-Konkurrenten zur Apple-Musiksoftware iTunes, die eigentlich für iPod und iPhone reserviert sein soll. Palm hatte sich durch einen technischen Kniff Zugang verschafft, wurde aber wieder ausgesperrt. Nun haben sich Rubinsteins Entwickler wieder „hineingehackt“. Doch was als Mischung aus PR-Gag und gezielter Provokation begann, droht für den Palm-Chef zum Vabanquespiel zu werden. Palm-Kunden in Europa sind verunsichert, die Fronten verhärtet. Rubinsteins früherer Weggefährte Steve Jobs kocht vor Wut.

Palm-CEO Rubinstein hatte in der vergangenen Woche scheinbar aufgegeben und mit der Firmware-Version 1.2 die Forderung des Apple-Chefs erfüllt: Dieser hatte verlangt, dass die – durch Apple ohnehin zwischenzeitlich unterbundene – Synchronisation des Pre mit iTunes ganz aufgegeben wird. Doch wenige Tage später wurde eine neue Version nachgeschoben – und Palm-Kunden sind wieder im Apple-Komfort-Shop.

Doch wie lange? Die Nutzer können sich nicht darauf verlassen, dass sie auch morgen noch per iTunes auf ihre Musik zugreifen können. Verunsicherung kann Rubinstein, der bei Apple maßgeblich am Erfolg des iPods beteiligt war, jedoch nicht brauchen: Vom Erfolg des Pre hängt das Überleben des angeschlagenen Unternehmens ab.

Im Quartal Juni bis August 2009, als das Pre auf den Markt kam, konnte Palm 823 000 Geräte verkaufen. Davon seien „der Großteil Pres“, wie es bei der Vorstellung der Zahlen vage hieß. Der Absatz entsprach einem Plus von 134 Prozent zum vorigen Quartal – aber gleichzeitig 30 Prozent weniger als im gleichen Quartal 2008. Das verdeutlicht, in welchem Ausmaß Palm das alte Geschäft – Palm PDA, Palm „Treo“ – weggebrochen ist.

Rubinstein ist jedoch so überzeugt von seinem Hoffnungsträger Pre, dass er ankündigte, die Entwicklung von Smartphones mit Windows Mobile-Betriebssystem komplett einzustellen. Experten von Gartner sind da zurückhaltender: „Der Verkaufserfolg des Pre hat einen gemischten Eindruck im Startmonat Juni hinterlassen“, sagt Analystin Roberta Cozza. Im ersten Monat seien 205 000 Stück abgesetzt worden. Zum Vergleich: Apple verkaufte an den ersten drei Tagen eine Million iPhone 3G S.

Finanziell kann sich Palm keinen Fehlstart in Europa leisten. Der Gesamtumsatz im vergangenen Quartal war um 80 Prozent auf 68 Mio. Dollar eingebrochen, der Verlust auf 165 Mio. Dollar angeschwollen. Die Expansion ist deshalb ein wichtiger Baustein in der Sanierungsstrategie. Analystin Cozza: „Palm ist die Nummer zehn des Smartphonemarkts, und wir blieben skeptisch, ob sie noch einmal an Fahrt gewinnen können, vor allem außerhalb der USA, wo die Marke nicht so stark ist.“

Seite 1:

Streit um iTunes eskaliert

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%