Panasonic
„Wir wollen Q-Cells wieder einholen“

Um seine umweltnahen Sparten zu stärken, will Panasonic den Konkurrenten Sanyo zur Tochtergesellschaft machen. Im Interview spricht Panasonic-Chef Fumio Ohtsubo über die Ambitionen des weltgrößten Elektroherstellers auf dem Umweltmarkt – und die Auseinandersetzung mit dem deutschen Anbieter Q-Cells.
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Handelsblatt: Herr Ohtsubo, Sie haben zuletzt immer wieder die Rolle der Elektroindustrie bei der Abkehr vom Öl betont.

Fumio Ohtsubo: Die Menschheit steht vor der Aufgabe, eine Gesellschaft mit geringem Kohlendioxidausstoß zu verwirklichen. Da gibt es meiner Ansicht nach inzwischen einen Konsens. Wir müssen sicherlich auf der Produktionsseite den Treibhausgasausstoß reduzieren. Doch die Geräte müssen auch bei der Benutzung durch den Endverbraucher immer weniger Strom verbrauchen. Auf Ebene der Energieherstellung lässt sich ebenfalls einiges tun. Hier bieten wir beispielsweise Solarzellen und Brennstoffzellen an. In diesen Bereichen der Energietechnik sieht sich unser Unternehmen in einer Führungsrolle.

Aufs Energieschäft zielt offenbar auch die laufende Übernahme Ihres ehemaligen Konkurrenten Sanyo. Was haben Sie mit dem Zukauf vor?

Wir wollen die umweltnahen Sparten stärken, in denen wir bisher vergleichsweise schwach waren. Das ist ein wichtiger Grund dafür, Sanyo zur Tochtergesellschaft zu machen. Wichtig ist uns vor allem die global sehr starke Stellung von Sanyo im Markt für leistungsstarke Batterien und Solarzellen. Wir wollen einen Kreis schaffen aus der Herstellung von elektrischem Strom, seiner Speicherung und seiner effizienten Nutzung. Sanyo ist bereits Marktführer bei Lithium-Ionen-Batterien. Das Unternehmen wird eine einzigarte Bereicherung für uns werden.

Was machen Sie mit den Teilen von Sanyo, die sich mit ihrem eigenen Geschäft überlappen, etwa den Waschmaschinen oder Projektoren?

Es stimmt, dass beide Unternehmen Produktgruppen wie Weiße Ware oder Audio- und Videoausrüstung anbieten. Doch noch ist die Übernahme nicht über die Bühne gegangen, und es ist noch zu früh, über solche Details zu reden. Es lässt sich jedoch jetzt schon absehen, dass sich die Produkte im Detail gar nicht so sehr überschneiden. Beispiel Waschmaschinen: Panasonic bietet eher technisch hochentwickelte Geräte an, die wir hauptsächlich auf dem japanischen Markt anbieten. Sanyo ist mit einfacheren Modellen in Südostasien, beispielsweise Vietnam, sehr erfolgreich. Sanyo stellt auch Großgeräte für den Profieinsatz her wie etwa für Wächsereien, die wir überhaupt nicht im Programm haben. Wir werden uns großartig ergänzen, und den Markt breiter abdecken als je zuvor.

In diesem Bereichen sehen Sie also gar nicht so viel Überschneidung und Einsparpotential?

So ist es.

Welchen Vorteil wird Panasonic als Mutterkonzern für Sanyo bringen, beispielsweise beim Absatz von Solarzellen?

Wir haben national wie international ein sehr gut ausgebautes Vertriebsnetz, von dem auch Sanyo profitieren wird. Wenn wir Sanyos Solarzellen und andere Produkte mit unserer Markterfahrung anbieten, dann werden wir global insgesamt mehr absetzen können.

Kann Sanyo mit diesen zusätzlichen Marketingmöglichkeiten auch verloren gegangene Marktanteile im Solarmarkt zurückgewinnen?

Definitv. Der Wirkungsgrad der Solarzellen von Sanyo ist bereits Weltspitze. Doch vom Marktanteil her liegen sie derzeit so etwa auf dem achten Platz. Mit dem Vertriebsnetz von Panasonic im Rücken wird sich der Absatz erheblich ausdehnen lassen. Und mit uns als Partner sind erhebliche Investitionen möglich. Wir können da weltweit ein großes Volumen erreichen - das ist unser Erfolgsszenario.

Würden Sie von der japanischen Regierung wünschen oder fordern, dass sie Solardächer mehr fördert?

Die neue Regierung unter der Demokratischen Partei Japans entwickelt derzeit ihre Wachstumsstragie. Als Teil davon halten wir die Förderung der Photovoltaik und alternativen Energien auch für die Industrie für sehr wichtig. Ob Investionen für die Förderung der Industrie gemacht werden oder Preise für Verbraucher bezuschusst werden, denkt die Regierung jetzt nach. Wir als Branchenvertreter wollen uns hier auch wei-ter in die Diskussion einbringen. Die Schwelle für den Kauf sollte durch Zuschüsse niedrig gehalten werden.

Sie halten auch eine „kohlendioxid-neutrale Lebensweise“ für technisch machbar. Ab wann wird sie weite Verbreitung finden?

In unserem Musterhaus für das CO2-neutrale Leben findet sich keine Technologie, die sich nicht auch inner-halb der nächsten drei Jahren auf dem Markt anbieten ließe. Theoretisch könnte wir ein solches Haus ab sofort bauen. Ob sich wirklich ein konkretes Geschäft daraus machen lässt, wird sich also in den kommenden drei bis fünf Jahren zeigen.

Auf welchen Weltmarktanteil zielen Sie mit Solarzellen?

In allen Bereichen zielt Panasonic auf einen Marktanteil von mindestens zehn Prozent. Das gilt auch für die Photovoltaik, wo wir ebenfalls mindestens zehn Prozent erreichen wollen, was uns dann vermutlich unter die Top 10 oder sogar Top 5 bringen würde.

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