Patch geht an Investor
AOL verkauft lokale Nachrichtenseiten

Das Abenteuer ist beendet. AOL-CEO Tim Armstrong trennt sich schweren Herzens von seinem Lieblingskind. Die Kontrolle über Patch, Sammelbecken für rund 900 lokale Nachrichten-Websites, hat jetzt Hale Global, ein auf Sanierungsfälle spezialisiertes Investmentunternehmen. AOL hält nur noch eine Minderheitsbeteiligung.
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San FranciscoÜber die finanziellen Details der Transaktion wurde „Stillschweigen“ vereinbart. Das könnte man so deuten, dass AOL praktisch nichts mehr für seinen früheren Hoffnungsträger bekommen hat. „Hyper-local“ war Ende des vergangenen Jahrzehnts das große Schlagwort. Nachrichtenportale spezialisiert auf die Neuigkeiten von der anderen Straßenseite. Alles, was die Menschen vor Ort bewegt, statt großer Politik. Armstrong kaufte Patch 2009 und investierte hunderte Millionen Dollar in Hyper-Local-Medien und lokale Journalisten und Inhalte. Doch die Probleme türmten sich auf, als zwar die Leser kamen, aber die Anzeigenkunden ausblieben. Patch, gedacht als Initialzündung für den Turn Around des ehemaligen Internetriesen, der heute nur noch ein Abziehbild seiner früheren Größe ist, wurde zum Fass ohne Boden.
Armstrong geriet immer stärker ins Kreuzfeuer unzufriedener Aktionäre. 2012 überlebte er nur knapp einen „Proxy-Fight“ auf der Aktionärsversammlung. Aktionärsaktivisten versuchten das Board und letztlich ihn loszuwerden, um das Problem Patch gewaltsam zu beenden. Im November 2013 war Armstrongs Nervenkostüm offenbar kurz vor dem Kollaps. Bei einer Versammlung vor Hunderten von Patch-Angestellten in New York feuerte er ansatz- und grundlos aus dem Stand einen Mitarbeiter, der einfach nur ein Foto machen wollte. Da war auch dem letzten klar, wie es um Patch stehen musste, trotz aller gegenteiligen Beteuerungen Armstrongs. Solch irrationales Verhalten hätte man von einem Steve Jobs erwartet. Aber der hatte auch mit Apple das größte Tech-Unternehmen der Welt aufgebaut. Der denkwürdigen Veranstaltung folgten recht zügig Massenentlassungen bei Patch.
In vorbereiteten Stellungnahmen beteuern AOL und Hale nun, dass sie zusammen an der Zukunft des Unternehmens arbeiten werden. Wie immer die aussehen mag.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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