Patentkrieg
SAP wirft Oracle Verzögerungstaktik vor

Kurz vor Prozessbeginn brechen die Kontrahenten plötzlich in Aktionismus aus - und streiten sich nun zusätzlich darum, wann die juristische Schlacht eigentlich beginnen soll. Die deutschen Angeklagten von SAP wollen jedoch nur eines: die Sache so schnell wie möglich hinter sich bringen.
  • 1

HB NEW YORK. Der erbitterte Patentstreit zwischen dem US-Softwarekonzern Oracle und dem verklagten deutschen Rivale SAP kommt in letzter Minute in Bewegung. Oracle beantragte am Donnerstag, den für Montag geplanten Auftakt des mit Spannung erwarteten Mammutprozesses um drei Tage bis Donnerstag aufzuschieben.

SAP will einen zentralen Vorwurf nicht mehr anfechten und damit den Umfang des Verfahrens eindämmen. Die Walldorfer lehnen einen Aufschub ab. SAP räumte in seiner Eingabe an das Gericht ein, zur Patentverletzung durch seine inzwischen liquidierte US-Tochter TomorrowNow beigetragen zu haben. Der Konzern werde nicht mehr gegen diesen Vorwurf vorgehen, teilte SAP mit. Ziel des Eingeständnisses sei es, das Verfahren zu verkürzen und einen Medienzirkus zu vermeiden.

„Oracle hat offensichtlich vor, einen wochenlangen Prozess dafür zu nutzen, seinen Wettbewerbern Schaden zuzufügen“, heißt es in dem Schreiben. SAP beantragte gleichzeitig, die Zeit zur Darstellung des Falles für jede Seite auf 20 von 36 Stunden zu verkürzen. Oracle erklärte, der Konzern habe erst am späten Mittwochabend von dem Sinneswandel der Walldorfer erfahren und brauche nun mehr Zeit zur Klärung seiner juristischen Strategie.

„Die SAP-Führung hat dreieinhalb Jahre lang darauf bestanden, dass sie nichts über den massiven geistigen Diebstahl von SAP wusste“, betonte Oracle. „Heute hat SAP endlich zugegeben, dass es die ganze Zeit über Bescheid wusste.“ Oracle verlangt mehr als zwei Milliarden Dollar Schadenersatz für die Patentverletzung. SAP hat den Betrag für eine eventuelle Verurteilung am Mittwoch aufgestockt, plant dabei aber lediglich mit 160 Millionen Dollar.

Eine außergerichtliche Einigung scheiterte an den unterschiedlichen Vorstellungen. Oracle wirft SAP vor, dass Mitarbeiter des Konzerns illegal Programme von einer Kundendienst-Internetseite Oracles heruntergeladen und dann dafür genutzt haben, billige Service-Leistungen für die Oracle-Software anzubieten. Die beiden Konzerne liefern sich seit Jahren einen harten Wettbewerb um Unternehmenskunden. In dem Prozess sollen neben SAP-Finanzvorstand Werner Brandt auch die ehemaligen Konzernchefs Henning Kagermann und Leo Apotheker aussagen. Apotheker fängt am Montag als Chef von Hewlett Packard an.

Kommentare zu " Patentkrieg: SAP wirft Oracle Verzögerungstaktik vor"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • erinnert mich an SCO vs Linux OS die, unter Federfuehrung von Microsoft, nur durch den Media-Zirkus die Linux Kunden verunsichern wollten und am Ende nur ein Schlachtfeld hinterliessen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%