Patricia Dunn ausgeschieden
HP-Konzernchef Hurd auch Verwaltungsratsvorsitzender

Hewlett-Packard (HP), der in eine Bespitzelungsaffäre von Journalisten und Verwaltungsratsmitgliedern verwickelte zweitgrößte Computerkonzern der Welt, hat mit sofortiger Wirkung Unternehmenschef Mark Hurd in Personalunion auch zum Verwaltungsratsvorsitzenden ernannt.

HB PALO ALTO. Die bisherige Leiterin des HP-Aufsichtsgremiums Patricia Dunn ist ganz aus dem HP-Verwaltungsrat ausgeschieden. Dies hat Hurd am Freitag nach Börsenschluss im Firmenhauptquartier der Gesellschaft in Palo Alto (Kalifornien) bekannt gegeben. Ursprünglich sollte Dunn den Posten erst im Januar 2007 aufgeben, sollte aber Mitglied des HP- Verwaltungsrates bleiben.

Dunn hatte im Mittelpunkt des Untersuchungsskandals gestanden. Es geht dabei um die umstrittenen Methoden, die HP angewendet hatte, um die Quelle von nach Außen gegebenen Verwaltungsrats-Informationen ausfindig zu machen. Die HP-Bespitzelungen uferten aus, als von der Gesellschaft angeheuerte Privatermittler fälschlich vorgaben, Verwaltungsratsmitglieder oder Journalisten zu sein, um sich deren Telefonunterlagen zu beschaffen. Es wurden auch Journalisten und ein Verwaltungsratsmitglied beschattet und andere unsaubere Untersuchungsmethoden angewandt.

Sie sei auf Auforderung des Verwaltungsrates hin ausgeschieden, betonte Dunn in einer von HP veröffentlichten Erklärung. Darin verteidigte sie ihr Vorgehen bei der Untersuchung über die Weitergabe von Verwaltungsratsinformationen. Hurd entschuldigte sich bei den den Journalisten, die untersucht worden seien so wie bei allen Betroffenen. Es handelte sich nach seinen Angaben um vereinzelte unangemessene Vorkommnisse. Hurd hatte einen schriftlichen Bericht über die HP-Informationsuntersuchung erhalten, doch habe er ihn nicht gelesen. „Ich hätte dies tun können, und ich hätte es gesollt“, erklärte der HP-Chef.

Hurd hatte kürzlich die Anwaltsfirma Morgan Lewis am 8. September mit einer Untersuchung der Vorkommnisse beauftragt. Einiges was sie herausgefunden habe sei für ihn „sehr beunruhigend“, betonte Hurd. HP hat auch Bart M. Schwartz, einen früheren US-Ankläger und Rechtsanwalt beauftragt, eine unabhängige Überprüfung der Untersuchungsmethoden und geschäftlichen Verhaltungsregeln der Gesellschaft durchzuführen.

Der HP-Konzernchef beantwortete keine Fragen der Presse weil er am kommenden Donnerstag an einer Anhörung eines Ausschusses des US- Repräsentantenhauses zu dem Skandal teilnehmen wird. Daran wird auch Dunn teilnehmen. Es laufen zudem Untersuchungen des Generalstaatsanwalts von Kalifornien, der US- Justizbehörden sowie der amerikanischen Wertpapier- und Börsenbehörde SEC. Es soll festgestellt werden, ob HP gegen Gesetze verstoßen hat. Die Wall Street reagierte positiv. Der HP-Aktienkurs, der am Donnerstag um mehr als fünf Prozent abbesackt war, legte nach der Hurd-Stellungnahme nachbörslich um 1,1 Prozent auf 35,50 Dollar zu. Hurd hatte die HP-Führung vor knapp eineinhalb Jahren nach der Entlassung der ehemaligen HP-Chefin Carly Fiorina übernommen. Er hat die Gesellschaft inzwischen auf Vordermann gebracht und die Gewinne kräftig erhöht. Die HP-Aktien sind seither massiv gestiegen.

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