Pauschaltarife lohnen sich nur für Vieltelefonierer – Konzern verliert Marktanteile: Telekom führt neue Preise ein

Pauschaltarife lohnen sich nur für Vieltelefonierer – Konzern verliert Marktanteile
Telekom führt neue Preise ein

Die Deutsche Telekom baut ihr Tarifsystem um: Von März an sollen die Minutenpreise für Gespräche im Festnetz auf breiter Front sinken – im besten Fall „um bis zu 75 Prozent“, wie Achim Berg, Marketing- und Vertriebsvorstand der Telekom-Festnetzsparte gestern ankündigte.

slo BONN. Damit reagiert die Telekom auf die Konkurrenz, die ihr vor allem im Ortsnetz zusetzt. Gemessen an den Gesprächsminuten verdoppelten die Wettbewerber ihren Marktanteil bei Ortsgesprächen im vergangenen Jahr auf 33 Prozent. Das geht aus dem Jahresbericht der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post hervor, die Behördenpräsident Matthias Kurth gestern in Bonn vorstellte. Erst vor knapp zwei Jahren ist Bewegung in den Markt für Lokalgespräche gekommen, als der Regulierer das Telefonieren im Ortsnetz über bestimmte Vorwahlen (Call-by-Call) einführte.

Um die eigene Stellung zu verteidigen, führt die Telekom auch einen Pauschaltarif für Ortsnetzgespräche ein. Gegen einen monatlichen Aufschlag von 9,95 Euro können Kunden unbegrenzt ohne weitere Kosten in ihrem Vorwahlbereich telefonieren. Branchenexperten kritisieren jedoch, die neue Regelung lohne sich nur für Vielnutzer, die mindestens eine halbe Stunde täglich innerhalb der Stadt telefonieren, in der sie wohnen. Ähnliches gilt für eine Pauschale von fünf Euro fürs Telefonieren nach 18 Uhr. Sie lohnt sich nach Berechnung von Analysten erst, wenn die Kunden mindestens 50 Minuten pro Tag in der Nebenzeit telefonieren.

Telekom-Konkurrenten haben daher am Mittwoch auch eher gelassen auf die neuen Tarife des Ex-Monopolisten reagiert: „Durch die minutengenaue Abrechnung der Gespräche, die die Telekom jetzt einführt, wird erst richtig deutlich, dass die Tarife der Wettbewerber immer noch günstiger sind“, sagte Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Branchenverbandes VATM. Angesichts der vielen Pauschalen fordert der Verband, dass die Telekom nicht nur ihren Kunden, sondern auch den Konkurrenten solche Produkte anbietet. Grützner: „Bei den Wettbewerbern wird immer noch minutengenau abgerechnet.“

Pauschaltarife – im Branchenjargon auch Flatrates genannt – hatte die Telekom in der Vergangenheit bereits fürs Telefonieren am Wochenende eingeführt und knapp vier Millionen Nutzer dafür gewonnen. Insgesamt hat der Konzern im Festnetz etwa 38 Millionen Kunden. Die Sparte ist der größte Umsatzbringer des Konzerns mit jährlich insgesamt knapp 30 Mrd. Euro, davon 25 Mrd. Euro in Deutschland.

Auch bei schnellen Internetanschlüssen via DSL-Technik hat sich die Position der Telekom verschlechtert, während der Marktanteil der Konkurrenten von neun auf 17 Prozent gestiegen ist. „Natürlich ist die Dominanz der Telekom noch da, aber es findet eine Aufholjagd statt, und diese Aufholjagd gewinnt immer mehr an Dynamik“, sagte Telekomregulierer Kurth. Mit insgesamt 6,7 Millionen Anschlüssen hatten zum Jahreswechsel 17 Prozent aller deutschen Haushalte einen DSL-Zugang.

Schnelle Internetanschlüsse sind der Wachstumstreiber im Festnetzgeschäft, in dem die Umsätze eher sinken. Insgesamt setzten die Anbieter im deutschen Telekommunikationsmarkt im vergangenen Jahr laut Kurth 64,5 Mrd. Euro um – zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Das Gros der Umsätze entfiel auf das Geschäft mit Festnetzanschlüssen, gefolgt vom Mobilfunkgeschäft.

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