Pay-TV
Dauer-Bildstörung bei Premiere

So viele Risiken, lästern die Analysten von Unicredit, hätten sie in dem Prospekt zur Kapitalerhöhung von Premiere nicht für möglich gehalten. Auf gut 20 Seiten haben die Juristen des Münchener Bezahlkanals jüngst aufgelistet, was in ihrem Unternehmen so alles schief gehen kann. Und das ist eine Menge.

DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Nächsten Donnerstag werden die Aktionäre der schwer angeschlagenen TV-Station wieder schwarz auf weiß bekommen, wo es überall brennt bei Premiere. Dann wird das im MDax notierte Unternehmen seine Quartalszahlen vorlegen – und die werden wieder einmal tiefrot ausfallen. Bei einem Umsatz von 223 Mio. Euro erwarten die Unicredit-Spezialisten einen Verlust von 73 Mio. Euro.

So geht es schon lange. Seit dem Börsengang im Frühjahr 2005 hat Deutschlands einziger reiner Pay-TV-Anbieter nur in einem Quartal einen Gewinn verbuchen können. Alleine 2008 verfünffachte sich der Fehlbetrag auf 270 Mio. Euro, obwohl der Umsatz leicht auf 941 Mio. gestiegen ist. Auch dieses und nächstes Jahr werden hohe Verluste auflaufen. Der Prospekt zur Kapitalerhöhung von diesem Frühjahr fasst das ganze Debakel in einem Satz zusammen: „Eine Anlage in Aktien der Premiere AG ist mit einem höheren Risiko verbunden als eine Anlage in die Aktien anderer Unternehmen.“

Premiere ist schon mehrmals an der Pleite knapp vorbei geschrammt, zuletzt kurz vor Weihnachten 2008. Erst einen Tag vor dem Fest haben sich Banken und Großaktionär Rupert Murdoch auf eine neue Finanzierung geeinigt, deren zentrales Element die inzwischen abgeschlossene Kapitalerhöhung ist. „Die Kapitalerhöhung ist ein wichtiger Meilenstein für Premiere", sagte Vorstandschef Mark Williams damals erleichtert. Die von den Gläubigerbanken Royal Bank of Scotland und Unicredit betreute Erhöhung spült dem Krisen-Unternehmen knapp 412 Mio. Euro in die Kasse.

Der Grund für die andauernd miesen Zahlen ist einfach: Das Unternehmen hat zu wenige Kunden und zu hohe Kosten. Seit vergangenem Herbst ist klar, dass es sogar noch weniger Abonnenten gibt, als bislang vermutet. Kurz nach einem Wechsel in der Führungsspitze hatte Premiere im Oktober seine Abonnentenzahl drastisch nach unten korrigiert. Führte die Firma zuvor noch 3,4 Millionen in seiner Statistik, waren es hinterher eine Million weniger. „Es ist ein Skandal, wie wir von der Unternehmensführung getäuscht worden sind“, schimpfte daraufhin Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger auf der Hauptversammlung.

Neue Wettbewerber haben gute Chancen, Premiere anzugreifen, denn der Konzern ist in seiner Handlungsfähigkeit stark eingeschränkt. „Es ist davon auszugehen, dass Premiere einen erheblichen Teil ihres zukünftigen operativen Cash-Flows für die Rückzahlung ihrer Schulden aufwenden muss“, heißt es im jüngsten Börsenprospekt. Ende vergangenen Jahres beliefen sich die Verbindlichkeiten auf 385 Mio. Euro.

Ohne den Medien-Tycoon Rupert Murdoch geht mittlerweile bei Premiere gar nichts mehr. Durch die Kapitalerhöhung stieg seine Beteiligung auf 30,5 Prozent. Ob Murdoch und sein enger Vertrauter, Premiere-Chef Mark Williams, tatsächlich die Heilsbringer sind, ist offen. Der italienische Ministerpräsident und Medienunternehmer Silvio Berlusconi glaubt hingegen immer weniger an Premiere. Erst vor wenigen Tagen hat er seine Beteiligung auf unter drei Prozent reduziert.

Vorstandschef Williams arbeitet jetzt mit seinem Team an einem Umbau des Konzerns. Im Kern geht es darum, die Kosten weiter zu reduzieren und neue Abonnenten zu gewinnen. Insbesondere in Kundenbindung und Marketing soll investiert werden. In der heruntergekommenen Unterföhringer Konzernzentrale wird fleißig diskutiert, welche Schritte nun die richtigen sind. Erste Maßnahmen will Williams am kommenden Donnerstag bei der Vorlage der Quartalszahlen verkünden.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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