Pay-TV
Irischer Sportsender hofft auf Investor

Dem Herausforderer ist die Luft ausgegangen: Setanta hat sich offenbar mit dem Kauf von Sportrechten übernommen und braucht nun dringend frisches Kapital. Mit der Premier League einigte sich der Sender, vorerst die Zahlungen zu strecken. Eine US-Beteiligungsgesellschaft will einsteigen. Konkurrent BSkyB könnte der lachende Dritte sein.

LONDON. Mit einer spektakulären Sportrechte-Einkaufstour hat das irische Unternehmen Setanta Sports in den vergangenen Jahren der übermächtigen Murdoch-Tochter BSkyB das Leben schwergemacht. Doch nun braucht Setanta dringend eine Kapitalspritze, um seine Verpflichtungen erfüllen zu können. Für die reiche englische Fußballliga Premier League und andere Sportveranstalter ist das eine Erinnerung, dass die dicken Schecks der Fernsehsender keine Selbstverständlichkeit sind.

Noch Ende vergangener Woche sah es so aus, als stehe das Aus für Setanta unmittelbar bevor. Eine Rate von drei Mio. Pfund für die schottische Fußballliga war überfällig, gestern lief die Frist für eine Überweisung von 35 Mio. Pfund an die Premier League aus. Doch übers Wochenende zauberten die findigen Iren einen neuen Großinvestor aus dem Hut: den aus Russland stammenden US-Investor Len Blavatnik. Der hat zwar in der Finanzkrise Milliarden verloren und mit dem Chemiekonzern Lyondell Basell eine spektakuläre Pleite hingelegt, doch genug Spielgeld für TV-Investments bleibt noch.

Blavatniks Holding Access Industries hat nach Medienberichten 20 Mio. Pfund für 51 Prozent an Setanta geboten. Aus Kreisen des Senders heißt es jedoch, dass sich an der geplanten Kapitalerhöhung auch eine Reihe anderer Investoren beteiligen wollten. Die Presse nennt unter anderem die TV-Produktionsfirma Endemol - ihr Chef Ynon Kreiz ist ein ehemaliger Partner der Londoner Risikokapitalfirma Balderton Capital, die ein früher Investor bei Setanta war. Zu Balderton hat auch Blavatnik Verbindungen - beide haben zusammen den kleineren britischen Pay-TV-Anbieter Top Up TV finanziert, den Ex-BSkyB-Manager gegründet hatten. In Firmenkreisen heißt es, dass sich auch Altaktionäre an der Kapitalerhöhung bei Setanta beteiligen wollten. Insgesamt 40 Mio. Pfund sollen so zusammenkommen.

Die Aussicht auf frisches Geld reichte Setanta, um sich in die Verlängerung zu retten: Mit der Premier League einigte man sich, die Zahlungen zu strecken. Zehn Mio. Pfund flossen pünktlich, weitere zehn müssen bis Ende der Woche folgen. Wenn sich Setanta bis dahin nicht mit den Investoren geeinigt hat, will die Premier League Setantas Live-Rechte für die kommende Saison neu ausschreiben.

Die Geschichte des Senders begann bei der Fußball-WM im Jahr 1990 mit einem Schock für Michael O?Rourke und Leonard Ryan, zwei irische Banker, die in London arbeiteten. Sie stellten fest, dass kein englischer Sender das Spiel zwischen Irland und den Niederlanden zeigen würde. Da mieteten sie kurzerhand eine Halle, organisierten eine Großleinwand und kauften die Live-Rechte an dem Match. Die irische Gemeinde riss ihnen die Eintrittskarten aus den Händen.

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