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Razzia bei Ex-Premiere-Chef Kofler

Geschönte Abo-Zahlen, Kapitalbetrug und Marktmanipulation: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen drei ehemalige Premiere-Mitarbeiter. Im Visier der Ermittler ist auch der ehemalige Chef Georg Kofler.
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München

Der frühere Premiere-Chef Georg Kofler ist wegen möglicherweise überhöhter Abo-Zahlen bei dem Bezahlsender ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Ermittler durchsuchten am Mittwoch Wohnungen und Büros in der Umgebung von München, in anderen Bundesländern und in Luxemburg, wie eine Sprecherin der Behörde sagte und damit einen Bericht des "Bayerischen Rundfunks" bestätigte. Kofler wies die Vorwürfe in einer Mitteilung scharf zurück. Der Streit um die Abo-Zahlen beschäftigt Sender und Behörden seit Jahren.

Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass das heutige Sky Deutschland in den Jahren 2007 und 2008 mit geschönten Abo-Zahlen Anleger getäuscht haben könnten. Deswegen werde wegen möglichen Kapitalanlagebetrugs und Marktmanipulation ermittelt. Premiere hatte nach dem Abgang Koflers eingestanden, deutlich überhöhte Abo-Zahlen genannt zu haben und damit bereits damals die Staatsanwaltschaft alarmiert, die seit 2008 ermittelt.

Ex-Chef weist Vorwürfe zurück

"Die Vorwürfe hinter den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind haltlos. Ich stelle unverändert fest: Premiere hat während meiner Amtszeit stets korrekt berichtet", sagte Kofler. Bereits im November vergangenen Jahres hatte die Börsenaufsicht Bafin dem Sender vorgeworfen, seine Abonnentenzahlen für 2007 und 2008 um jeweils mehr als 600.000 Kunden zu hoch angesetzt zu haben. Zudem soll das Unternehmen in seinen Geschäftsberichten nicht ausreichend auf Risiken hingewiesen haben. Auch die Bafin prüft seit längerem und hatte im April 2009 ein offizielles Verfahren eingeleitet.

Auch im November hatte Kofler alle Vorwürfe zurückgewiesen. Die von der Börsenaufsicht Bafin kritisierten Premiere-Jahresabschlüsse seien erst nach seinem Abschied erstellt worden. Zudem gebe es Unterschiede in der Gewichtung von Abonnenten. "Da es für die Berichterstattung über Abonnements keine vorgegebenen bilanzrechtlichen Standards gibt, sind hier unterschiedliche Darstellungen möglich", heißt es in einer Erklärung von damals. Kofler stand seit 2002 an der Spitze von Premiere und brachte den Sender 2005 an die Börse. Rund zwei Jahre später stieg er bei Premiere aus und gründete ein Energie-Unternehmen. Das heutige Sky hatte die Abo-Zahl nach der Ära-Kofler nach unten korrigiert. Der Konzern schreibt nach wie vor hohe Verluste, verzeichnete zuletzt aber wieder Kundenzuwächse und hat rund 2,7 Millionen Abonnenten.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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