Pay-TV-Sender Bieterkampf um Sky – Comcast greift Murdoch an

Überraschend hat Comcast ein Angebot für Sky vorgelegt und könnte so Medienmogul Rupert Murdoch düpieren. Die Börse jubelt.
Update: 27.02.2018 - 12:28 Uhr Kommentieren
Der US-Medienkonzern Comcast will seine Position in Europa ausbauen. Quelle: Reuters
Sky-Kamera beim Bundesliga-Spiel

Der US-Medienkonzern Comcast will seine Position in Europa ausbauen.

(Foto: Reuters)

LondonFür den Medienmogul Rupert Murdoch ist es wohl ein Schlag ins Gesicht: Über Nacht hat sich der US-Medienkonzern Comcast in die seit Monaten laufende Übernahme des britischen TV-Senders Sky eingemischt. Überraschend legte der US-Konzern ebenfalls ein Gebot für Sky auf den Tisch. Zu dem Unternehmen gehört auch der gleichnamige deutsche Pay-TV-Sender.

Comcast will 12,50 britische Pfund je Sky-Aktie zahlen. Das seien rund 16 Prozent mehr, als Murdochs Fox-Konzern geboten habe und 13 Prozent mehr, als eine Aktie am Vortag gekostet habe, teilte der Konzern am Dienstag mit. Würde Comcast alle Aktien einsammeln, müsste der US-Konzern 22,1 Milliarden britische Pfund (rund 25 Milliarden Euro) auf den Tisch legen.

Das Angebot zeigte Wirkung, die Investoren reagierten begeistert. Am Londoner Aktienmarkt schoss der Kurs von Sky um rund 20 Prozent in die Höhe. Das Papier notierte damit im frühen Handel bei 13,07 Pfund.

Die größten Medienkonzerne der Welt
Keine Chance für die deutschen Medienkonzerne
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Die größten Medienkonzerne der Welt haben ihren Firmensitz fast ausnahmslos in ein und demselben Land – und es ist nicht Deutschland. Wie ein Ranking des Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik zeigt, liegen die deutschen Konzerne aus der Medienbranche abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Am besten schlägt sich da noch der Bertelsmann Konzern aus Gütersloh: Mit knapp 17 Milliarden Euro Jahresumsatz schafft es Bertelsmann auf Platz 15, im Vorjahr lag er noch vier Plätze weiter vorne. Das zweitstärkste deutsche Unternehmen ist der öffentlich-rechtliche Senderverbund ARD auf Platz 30, die Unternehmensgruppe ProsiebenSat.1 folgt auf Rang 48.

Platz 10: Altice Group
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Auf Platz zehn liegt noch nicht das Land, das das Ranking um die größten Medienunternehmen der Welt eigentlich dominiert. Hier liegt in diesem Jahr die niederländische Altice Group. Der börsennotierte Konzern hatte 2016 einen jährlichen Umsatz von 23,5 Milliarden Euro nachweisen können. Damit ist die Altice Group der einzige europäische Vertreter unter den zehn größten Medienunternehmen der Welt.

Platz 9: Facebook Inc.
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Wie erwartet gehört das Imperium um Mark Zuckerberg zu den weltweit größten Medienkonzernen – allerdings nur auf Platz neun im Ranking. Das Unternehmen, dem das soziale Netzwerk Facebook, die Videoplattform Instagram und den Messenger WhatsApp gehört, ist jedoch nur das amerikanische Schlusslicht im Ranking. Und das trotz eines Jahresumsatzes von 25 Milliarden Euro in 2016. Noch mehr Umsatz erzielen konnten fast nur andere amerikanische Firmen. Mit einer Ausnahme auf Platz acht...

Platz 8: Sony Entertainment
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... denn auf Platz acht liegt ein Unternehmen aus Japan – Sony Entertainment. Der Player in der Unterhaltungselektronik konnte im vergangenen Jahr 25,9 Milliarden Euro umsetzen. Für noch mehr Umsatz sorgten 2016 ansonsten nur noch US-amerikanische Firmen.

Platz 7: Charter Communications Inc.
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Charter Communications ist einer der größten Kabelbetreiber der USA. Im Jahr 2016 machte das Unternehmen Schlagzeilen mit der Übernahme von Time Warner Cable. Etwa 25 Staaten versorgt er mit Video-, Daten-, interaktiven und privaten Netzwerkdiensten. 26,2 Milliarden Euro konnte der Konzern 2016 umsetzen. Das macht ihn zum siebtgrößten Medienunternehmen der Welt. Platz sechs hält nur einen vergleichsweise geringen Vorsprung.

Platz 6: Time Warner Inc.
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Der Verkäufer ist trotzdem noch größer: Time Warner steht hinter dem Film- und Fernsehstudio Warner Bros., hinter dem Kürzel seiner Aktie „TWX“ und hinter dem Originalverlag der Superheldencomics Superman und Batman. Der internationale Konzern mit Hauptsitz im New York ist das sechstgrößte Medienunternehmen der Welt. Im vergangenen Jahr konnte Time Warner eine stolze Summe von 26,5 Milliarden Euro Umsatz nennen.

Platz 5: News Corp. & 21st Century Fox
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Es sind zwar mittlerweile zwei eigenständige Firmen, dennoch gehören sie zusammen: Der Zeitungs- und Buchverlag „News Corp.“ und der Film- und Fernsehkonzern „21st Century Fox“. Beide gehören zum Medienreich der amerikanischen Unternehmer Rupert und James Murdoch. Gemeinsam konnten die beiden Unternehmen im Jahr 2016 einen Umsatz von 32,2 Milliarden Euro erzielen und belegen somit Rang fünf im Ranking. Flagschiff des Verlags ist wohl das „Wall Street Journal“, zu „21st Century Fox“ gehört der Fernsehsender „Fox News“´, Amerikas kommerziell erfolgreichstes Nachrichtenprogramm.

Comcast-Chef Brian Roberts warb für sein Gebot – und teilte dabei direkt gegen seinen Kontrahenten Murdoch aus: „Wir sind zuversichtlich, dass wir die notwendigen Genehmigungen der Wettbewerbsbehörden erhalten werden”, erklärte Roberts bei Vorlage der Offerte – und verkniff sich damit wohl nur mit Mühe den Zusatz: „im Gegensatz zu Murdoch”.

Denn dieser hatte über das von ihm kontrollierte US-Unternehmen 21st Century Fox bereits vor über einem Jahr ein Gebot für Sky gemacht, seitdem aber Schwierigkeiten mit den britischen Wettbewerbsbehörden, die den Deal nicht ohne Weiteres genehmigen wollen.

Ursprünglich hatte Murdoch die Übernahme schon längst abschließen wollen. Aber derzeit läuft noch eine Überprüfung durch die britische Aufsicht. Für die kommenden Monate war mit einem Urteil gerechnet worden.

Doch ohne die Zustimmung von Murdoch muss Comcast sehr viele der anderen Investoren überzeugen, das Angebot anzunehmen. Comcast will Sky gern vollständig schlucken, mindestens aber 50 Prozent der Aktien kaufen. 39 Prozent hält jedoch bereits Murdochs 21st Century Fox.

Die Schlacht um Sky ist somit komplizierter, als es zunächst den Anschein hatte. Zumal 21st Century auch bereits einen Milliardendeal mit Walt Disney vereinbart hat. Nach dessen Abschluss sollte das Sky-Paket eigentlich Walt Disney zufallen.

Warum Sky so begehrt ist, erklärt Comcast-CEO Roberts mit der „herausragenden Stellung“ von Sky in europäischen Märkten, das sei „vergleichbar“ mit Comcast in den USA. Sky soll Comcast als Sprungbrett für die Expansion nach Europa dienen. So gehört auch die deutsche Tochter Sky Deutschland seit einigen Jahren komplett zum Sky-Konzern.

Zwar ist auch Comcast bereits in London vertreten, aber durch einen Zusammenschluss mit dem britischen Sender würde der Auslandsumsatz von zuletzt neun auf 25 Prozent steigen. Man wolle auch nach einer Übernahme nicht das Unternehmen abbauen, beteuerte Roberts.

Das dürfte bei den Sky-Mitarbeitern für Erleichterung sorgen – angesichts der schleppenden Übernahme durch 21st Century hatten einige von ihnen schon um ihren Job gefürchtet, sollte Murdoch durch eine Umstrukturierung versuchen, grünes Licht von den Regulierungsbehörden zu erhalten. Die Reaktion von 21st Century steht aber noch aus.

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