
PekingDer chinesische Computer-Hersteller Lenovo kann sich mit deutlichen Zuwächsen bei Umsatz und Gewinn von der Flaute in der PC-Branche abkoppeln. Lenovo meldete für das vergangene Vierteljahr ein Umsatzplus von zwölf Prozent auf 9,36 Milliarden Dollar (6,9 Mrd Euro). Der Gewinn sprang in dem Ende Dezember abgeschlossenen dritten Geschäftsquartal um gut ein Drittel auf 205 Millionen Dollar hoch, auch wegen Sonderposten.
Lenovo ist auf Kurs, die Spitzenposition im PC-Geschäft vom langjährigen Marktführer Hewlett-Packard zu übernehmen. Dem chinesischen Unternehmen, das 2005 die PC-Sparte von IBM kaufte, hilft vor allem die starke Position auf seinem boomenden Heimatmarkt. Im vergangenen Quartal machte Lenovo 43 Prozent seines Geschäfts in China. Der Umsatz dort wuchs um 17 Prozent und auch der Großteil des operativen Gewinns wurde in dem Riesenmarkt erwirtschaftet.
Der PC-Markt in Deutschland ist umkämpft. Der Absatz ist im dritten Quartal 2012 um 19 Prozent auf 2,68 Millionen Computer gesunken, wie das auf IT-Themen spezialisierte Marktforschungsunternehmen Gartner ermittelt hat. Belebung könnte allerdings die Markteinführung des neuen Microsoft-Betriebssystems Windows 8 gebracht haben – diese schlägt sich in den Zahlen noch nicht nieder.
Die Nummer 1 in Deutschland ist Lenovo. Das chinesische Unternehmen verkaufte zwischen Juli und September 421.000 Geräte, ähnlich viele wie im Vorjahreszeitraum. Da der Markt schrumpfte, konnte Lenovo seinen Anteil damit auf 15,8 Prozent steigern.
Acer musste massive Einbußen von mehr als 11 Prozent hinnehmen, verzeichnet aber trotzdem mit 14,7 Prozent etwas mehr Marktanteil als noch vor einem Jahr. 392.000 Geräte verkaufte das taiwanische Unternehmen in Deutschland.
Noch bitterer lief es für Hewlett-Packard, einst die Nummer 1 im PC-Markt: Der US-Hersteller verkaufte im dritten Quartal nur noch 336.000 PCs, fast ein Drittel weniger als im Vorjahr. Der Marktanteil schrumpfte auf 12,6 Prozent.
Dell verkaufte 206.000 PCs, rund 35.000 weniger als im dritten Quartal des Vorjahres – da andere Hersteller größere Einbußen hatten, stieg der Marktanteil damit aber leicht auf 7,7 Prozent.
Ein besonders schlechtes Jahr hatte Asus: Der Absatz brach um 37,8 Prozent auf 196.000 Geräte ein. Marktanteil: 7,3 Prozent.
In China macht Lenovo auch spürbare Fortschritte im zukunftsträchtigen mobilen Geschäft. So ist das Unternehmen bei Smartphones die Nummer zwei in dem Land. Inzwischen hat Lenovo seine Smartphones in weiteren Ländern wie Russland, Vietnam und Indien auf den Markt gebracht.
Der Konzern schließt auch Übernahmen im mobilen Bereich nicht aus - etwa wenn der Blackberry-Anbieter RIM zum Verkauf stehen sollte. Lenovo ist grundsätzlich offen für Zukäufe: So bauten die Chinesen ihre Position in Deutschland mit der Übernahme des Aldi-Lieferanten Medion stark aus.
Auch aufgrund seiner Stärke in China steht Lenovo als Ausnahme in der PC-Branche da. Die anderen großen Computer-Anbieter wie HP oder Dell kämpfen mit Geschäftsrückgängen, weil Kunden lieber Smartphones und Tablets kaufen als traditionelle Computer. Auch Lenovo macht über 80 Prozent des Geschäfts mit klassischen Personal Computern: 51,7 Prozent mit Notebooks und 30,1 Prozent mit Desktop-Rechnern.
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