Pearson trennt sich von Penguin Random House: Bertelsmann will riesigen Buchkonzern komplett

Pearson trennt sich von Penguin Random House
Bertelsmann will riesigen Buchkonzern komplett

Die Verlagsgruppe Penguin Random House veröffentlicht Tausende neue Bücher im Jahr von vielen Bestseller-Autoren. Jetzt will der britische Konzern Pearson aussteigen - zur Freude des Gütersloher Konzerns Bertelsmann.
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London/GüterslohDer britische Verlag Pearson hat wegen schwächelnder Geschäfte vor allem in den USA seine Gewinnziele für 2017 gesenkt und für 2018 einkassiert. Die Aktie des 173 Jahre alten Traditionshauses stürzte am Mittwoch um rund 28 Prozent ab und damit so stark wie noch nie. Die Papiere fielen auf dem niedrigsten Stand seit Juli 2009.

 Dies ruft auch den Bertelsmann-Konzern auf den Plan. Denn Pearson erwägt nun einen Verkauf seines 47-Prozent-Anteils an der Gemeinschaftsfirma mit den Güterslohern, dem weltgrößten Buchverlag Penguin Random House. „Wir sind offen, unsere Anteile an Penguin Random House aufzustocken, sofern die wirtschaftlichen Konditionen angemessen sind“, kündigte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe umgehend an.

Die Ostwestfalen hatten zusammen mit den Briten 2013 ein Joint Venture gegründet und halten 53 Prozent. Die Gütersloher hielten dabei von Anfang an die Mehrheit von 53 Prozent und stellten mit Thomas Dohle den Vorstandsvorsitzenden. Die damalige Vereinbarung sah ab dem 1. Januar 2017 eine Ausstiegsoption für Pearson vor. Bertelsmann hatte von Anfang an Interesse an einem Teil der Pearson-Anteile gezeigt.

Für die übrigen Anteile suche man einen Partner, der möglichst langfristig orientiert sei, sagte Rabe damals. Nun bekräftigte er das Interesse am Buchgeschäft als Kerngeschäft von Bertelsmann. „Strategisch würden wir so nicht nur eines unserer wichtigsten Inhaltegeschäfte stärken, sondern auch noch einmal unsere Präsenz in den USA, unserem zweitgrößten Markt, erhöhen.“

Bei Penguin Random House stehen Erfolgsautoren wie Paula Hawkins („Girl on the Train“) und John Grisham („Die Firma“) unter Vertrag. Zu der Gruppe gehören laut Bertelsmann rund 250 redaktionell unabhängige Einzelverlage, die jährlich mehr als 15.000 neue Bücher veröffentlichen. 2015 erzielte die Gruppe einen Umsatz von 3,7 Milliarden Euro. Die Verlagsgruppe Random House in Deutschland ist nicht Bestandteil, sie gehört bereits vollständig zum Bertelsmann-Konzern, der 2015 mit 117.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 17,1 Milliarden Euro erzielte.

Zu Bertelsmann mit Sitz in Ostwestfalen zählen neben dem Buchverlagsgeschäft Europas größte Fernsehgruppe RTL, der Hamburger Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr, der Dienstleister Arvato sowie eine Musikrechte-, Bildungs- und Investitions-Gruppe.

Pearson hat bereits die Wirtschaftszeitung „Financial Times“ und seinen Anteil am Magazin „Economist“ verkauft, um sich stärker auf das Bildungsgeschäft zu konzentrieren. Hier müssen die Briten allerdings einen Dämpfer wegstecken. „Der Bildungssektor erlebt derzeit eine noch nie dagewesene Phase der Veränderung und Schwankungsanfälligkeit“, sagte Pearson-Chef John Fallon. Die Bildungssparte habe 2016 weiter und überraschend deutlich an Schwung verloren. Fallon räumte ein, er sei für einige Fehlentscheidungen im vorigen Jahr verantwortlich.

Die Briten planen eine geringere Dividende für das laufende Jahr. Der operative Gewinn dürfte nach Firmenangaben um rund 180 Millionen Pfund (etwa 205 Millionen Euro) niedriger ausfallen als noch vor Jahresfrist angepeilt. Nun erwartet Pearson nur noch eine Summe zwischen 570 Millionen und 630 Millionen Pfund. Für 2018 kassierte der Verlag seine Gewinnprognose komplett. Dies kam an der Börse nicht gut an. „Unser Punkt war und ist, dass Investoren keinen Durchblick haben wie diese Firma in fünf Jahren aussieht“, sagte Analyst Gary Paulin vom Finanzdienstleister Northern Trust Capital Markets.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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