Peinliche Panne: Snapchat wusste von Sicherheitsproblem

Peinliche Panne
Snapchat wusste von Sicherheitsproblem

Millionen Telefonnummern und Namen von Snapchat-Nutzern landeten am Neujahrstag im Internet. Jetzt wird klar: das Unternehmen wusste schon lange vorher von der Gefahr – und hat fast nichts unternommen.
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San FranciscoEine Geschichte wie eine Räuberpistole. Eine Gruppe von anonymen Hackern, die sich Gibson Security nennt, veröffentlicht am 27. August 2013 einen Hinweis, dass man aus der beliebten App Snapchat Nutzernamen und Telefonnummern der Kunden herausfischen kann. Sie wenden sich auch an das kalifornische Unternehmen selbst – und bekommen vier Monate lang keine Antwort. Das jedenfalls geht aus einem Statement hervor, das Forbes.com nach eigenen Angaben von einem der Gibson-Mitglieder per E-Mail erhalten haben will.

Erst als Weihnachten mehr Details über die Verwundbarkeit des Programms veröffentlicht wurden, habe sich Snapchat per Mail einmal bei den Hackern gemeldet. Das war’s. Dafür gab es am 27. Dezember einen Eintrag auf dem Firmenblog. Der Tenor: Wir haben alles im Griff, es besteht nur eine rein theoretische Gefahr, Gegenmaßnahmen sind längst eingeleitet. Das brachte eine weitere Gruppe von Hackern dermaßen in Rage, dass sie schlicht 4,6 Millionen Namen und Telefonnummern abgriffen und  auf einer Webseite veröffentlichten. Was für eine Blamage für ein Unternehmen, das eigentlich Sicherheit als Geschäftsmodell hat. Snapchat ist ein Dienst, um Bilder zu versenden, die sich selbsttätig auf dem Gerät des Empfängers nach zehn Sekunden löschen. Das kann bei den meist jugendlichen Nutzern ein falsches Gefühl der Sicherheit erzeugen und zu unbedachten Handlungen führen. Natürlich ist es immer noch möglich, zum Beispiel über einen Screenshot oder schlichtes Abfotografieren des Bildschirms, eine Kopie des Bildes zu machen und weiterzuverbreiten. Nach eigenen Angaben werden über 350 Millionen Bilder pro Tag über Snapchat verschickt. Risikokapital von über 70 Millionen Dollar ist bislang in das Unternehmen gepumpt worden, das noch keinerlei Umsatz erzielt.

Mit den kompromittierenden Daten im Internet kommt der nächste Versuch von CEO Evan Spiegel sich aus der Verantwortung freizukaufen. An Weihnachten habe „eine Gruppe unsere API dokumentiert und es so Individuen leichter gemacht, unseren Dienst zu missbrauchen“, lässt der 23-jährige Snapchat-Mitgründer per Webblog verbreiten. Mit anderen Worten: Schuld ist nicht der Code mit dem weit offenen Scheunentor für Datendiebe, sondern sind die, die das Problem gefunden und veröffentlicht haben.

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Sicherheitsleck kommt zur Unzeit

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