Personalwechsel
Telekom wählt Chef für T-Systems

Die Deutsche Telekom hat einen IT-Fachmann zum neuen Chef ihrer Geschäftskundensparte T-Systems berufen. Reinhard Clemens, Deutschland-Chef des amerikanischen IT-Unternehmens Electronic Data Systems (EDS), leitet ab dem 1. Dezember die kriselnde Sparte des Bonner Konzerns. Auf ihn kommt einiges zu.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Am Wochenende berief der Telekom-Aufsichtsrat den 47-Jährigen in den Konzernvorstand. „Seine Erfahrung, internationale Ausrichtung und strikte Erfolgsorientierung werden die Schlagkraft der T-Systems und die Führung der Deutschen Telekom verstärken“, sagte Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel nach der Sitzung.

Branchenexperten begrüßten die Entscheidung für einen IT-Profi. „Es ist in dem Geschäft extrem schwer, die Qualität von Lösungen zu beurteilen, wenn man nicht ins Detail einsteigen kann“, sagte ein ehemaliger Telekom-Mitarbeiter. Clemens’ Vorgänger Lothar Pauly galt nicht als ausgewiesener IT-Experte. „Ich freue mich, dass Clemens die einseitig auf Telekommunikation ausgerichteten Strukturen der Telekom um den Blick auf die IT-Branche bereichert“, sagte Aufsichtsratsvize und Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder dem Handelsblatt.

Nach Informationen aus dem Umfeld des Kontrollgremiums hat die Telekom vier Kandidaten in die engere Auswahl für den Posten genommen. Clemens war jedoch der einzige, der dem Plenum des Aufsichtsrates Rede und Antwort stand. Dort habe er „in einer schonungslosen Analyse“ die Stärken und Schwächen der Sparte beschrieben und überzeugend seine Strategie präsentiert. Dabei standen Maßnahmen im Vordergrund, um Geschäftskunden trotz der laufenden Partnersuche auch künftig Telekommunikation und IT aus einer Hand anzubieten.

Die Telekom sucht bereits seit Monaten einen Partner für T-Systems. Zunächst wollte der Konzern die Mehrheit am gesamten Großkundengeschäft abgeben, fand aber keinen passenden Käufer. Nun sucht sie nur noch einen Partner für Teile des Großkundengeschäfts – genauer gesagt für die Entwicklung neuer Anwendungen und für die Systemintegration. Die Personalie Clemens nährt Spekulationen über EDS als künftigen Partner. Beide Unternehmen sind als IT-Dienstleister stark in der Automobilindustrie.

Hintergrund der Partnersuche ist die schwierige Lage von T-Systems. Die Umsätze sinken, international ist die Sparte zu klein, multinationale Konzerne zu bedienen. Ein weiteres Problem ist der hohe Personalbestand. Will Clemens die Sparte auf Vordermann bringen, wird er nach Meinung von Experten um Stellenkürzungen nicht herumkommen. Die Gewerkschaft gab ihm gestern gleich eine eindringliche Bitte mit auf den Weg. „Ich hoffe, dass er sich stärker auf die Kunden und die Steigerung des Umsatzes als auf das Loswerden von Mitarbeitern konzentriert“, mahnte Verdi-Bundesvorstand Schröder.

Zu den drängendsten Aufgaben von Clemens gehört der Vertrieb. Die Kundenbasis von T-Systems gilt wegen der unsicheren Zukunft der Sparte als instabil. Konkurrenten wie British Telecom oder die France-Télécom-Tochter Orange Business Services berichten, dass sie von der Krise der Telekom-Tochter profitieren und derzeit in Deutschland stark wachsen.

In T-Systems-Kreisen wurde die Entscheidung mit Erleichterung aufgenommen. Die Sparte war seit dem Abgang von Pauly vor gut fünf Monaten quasi ohne Führung. Konzernfinanzvorstand Karl-Gerhard Eick hatte die Verantwortung zwar kommissarisch übernommen. Doch angesichts seiner übrigen Aufgaben blieb dafür zwangsläufig nur wenig Zeit. „Das hat sich bemerkbar gemacht. Deshalb ist es gut, dass es demnächst wieder einen Chef gibt“, sagt ein T-Systems-Mitarbeiter.

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