Personendaten im Netz
Panne bei AOL

Suchanfragen von 658  000 amerikanischen Kunden des Internetunternehmens AOL sind im Internet gelandet. Die Datenpanne hat in den USA die Diskussion über den Umgang von Suchmaschinen mit persönlichen Daten angefacht.

FRANKFURT. Blogger hatten die Angaben von 658  000 US-Nutzern von AOL am Sonntag entdeckt. Obwohl das Unternehmen die Informationen schnell aus dem Netz nahm, wurden sie kopiert und kursieren im Internet. Deutsche AOL-Kunden sind nach Angaben eines Sprechers nicht betroffen.

Die Panne zeige, welche Gefahren es mit sich bringe, wenn Suchmaschinen-Firmen persönliche Daten speichern dürften, sagte Kurt Opsahl, Anwalt und Online-Spezialist, der Nachrichtenagentur Dow Jones. Es müssten dringend Schutzmechanismen eingerichtet werden. AOL sprach von einem „Irrtum“. Eine interne Untersuchung soll nun die Vorgänge klären. Personelle Entscheidungen wurden nicht ausgeschlossen. Die Panne kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Tochter von Time Warner positioniert sich gerade neu, um die Werbeeinnahmen zu steigern.

Im konkreten Fall geht es um über 20 Mill. Suchanfragen, die AOL-Nutzer zwischen dem 1. und dem 31. Mai getätigt hatten. AOL-Mitarbeiter hatten die Daten – angeblich ohne offizielle Erlaubnis – an eine neue AOL-Seite geschickt, die sich ausschließlich an Forscher richtet, die neue Such-Technik entwickeln.

Die Daten waren zwar nicht mit dem Namen des Suchenden versehen, wohl aber mit einer Identifikations-Nummer. Doch nach Ansicht von Experten lassen sich die Nutzer dennoch feststellen. „Mit einer ID-Nummer sind die Daten quasi personalisiert, auch wenn der Name fehlt“, sagt Joachim Schrey, Anwalt und Experte für IT-Recht bei der Sozietät Clifford Chance.

So grenzt etwa die Suche nach einem Pizzaservice das Wohngebiet des Internetnutzers ein. Kombiniert mit einer Suche der gleichen ID-Nummer nach Medikamenten oder bestimmten Autotypen kann ein genaues Profil erstellt werden. Das kann brisant werden. So findet sich in den AOL-Daten etwa die Suche nach der besten Methode, seine Frau umzubringen.

In Deutschland ist ein vergleichbarer Fall nach Ansicht von Schrey schwer vorstellbar. „Das Datenschutzgesetz und das Teledatenschutzgesetz schreiben vor, dass Dienste wie Suchmaschinen auch anonym genutzt werden können. Hier sind die Regeln weitaus strenger als etwa in den USA.“

Allerdings würden Verstöße gegen diese Gesetze immer noch als eine Art Bagatelle angesehen. „Die Gefahr, entdeckt und verfolgt zu werden, ist relativ gering“, sagt Schrey. Anders liegt der Fall, wenn ein deutscher Nutzer etwa eine US-Internetseite besucht. „Hier gilt das deutsche Recht nicht. Der Nutzer setzt sich der Gefahr aus, erfasst zu werden.“

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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