Photokina
Das Kamera-Smartphone als letzte Hoffnung

Hersteller von Digitalkameras darben seit langem. Grund: Smartphones machen immer bessere Bilder. Die Branche reagiert mit Kameras, die als Telefone dienen. Und auch gegen Handy-Selfies soll ein Kraut gewachsen sein.
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KölnAls Smartphone-Hersteller ist Panasonic bisher kaum in Erscheinung getreten. Mit einem am Montag vorgestellten Zwitter aus Kamera und Telefon soll sich das ändern. Ende des Jahres kommt das Gerät in Deutschland auf den Markt. Das 200 Gramm schwere Smartphone kann vor allem eines besser als viele Konkurrenzmodelle: Fotos schießen. Die Auflösung von 20 Megapixel ist dabei Nebensache. Das Augenmerk gilt dem ein Zoll großen Bildsensor, der bisher edlen Kompaktkameras vorbehalten war.

Panasonic hatte für die Geräte-Ankündigung einen Konferenzsaal in den Kölner Messehallen gemietet und die Bühne der Leitmesse Photokina genutzt. Bis Sonntag präsentieren in Köln über tausend Aussteller aus 51 Ländern ihre Neuheiten rund um das Fotografieren. Die Veranstalter erwarten 180.000 Besucher.

Für die Kamera-Hersteller ist das Rampenlicht wichtig. Denn ihnen rennen die Kunden davon wie aktuelle Erhebungen der Marktforschung Gfk zeigen. Demnach ist der weltweite Umsatz auf dem Markt im ersten Halbjahr 2014 um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum geschrumpft. In Deutschland ist der Absatz gemessen in Stückzahlen seit 2011 um 30 Prozent zurückgegangen. Für dieses Jahr werden nur noch 5,26 Millionen verkaufte Geräte erwartet. Dem stehen 23,8 Millionen neue Smartphones gegenüber.

Mit System aus der Krise?

Auch wenn es folgerichtig scheint, dass nun Kamerahersteller verstärkt in den Telefonmarkt drängen – auf der Photokina bleiben die Hybridmodelle eine Ausnahme. Stattdessen dominieren Systemkameras. Sie sind kompakter als die von vielen Kunden als klobig verschmähten Spiegelreflexkameras, bieten aber ebenfalls wechselbare Objektive – etwa für Panoramabilder im Weitwinkelformat oder für besonders viel Zoom. Samsung zeigte am Messevortag sein neues High-End-System NX1, das mit einem besonders schnellen Autofokus und Videoaufnahmen in vierfacher HD-Auflösung punkten will. Auf diese sogenannte 4K-Videofunktion setzt auch Panasonic bei der kompakten Lumix LX100.

Im schrumpfenden Gesamtmarkt haben die professionellen Systemkameras durchaus noch Wachstumschancen, sagt Christopher Chute, Experte für den Fotomarkt beim Analystenhaus IDC: „Es wird weiterhin einen Markt für High-End-Systeme mit wechselbaren Objektiven geben.“ Auch die Bewegtbilder würden für Profis immer wichtiger. Auf dem Massenmarkt zähle indes eine andere Funktion: „Kunden erwarten, dass sich jedes neue Gerät mit anderen Geräten verbinden lässt.“ IDC schätzt, dass 40 Prozent der verkauften Kameras in diesem Jahr über WLAN oder den Nahkommunikationsstandard NFC an das Smartphone andocken können. Bis 2018 werde dieser Anteil auf 90 Prozent ansteigen.

„Der Kamera-Markt ist diesem Trend lange hinterhergelaufen“, sagt Andreas Wahlich, Marketingchef für den Bereich Digital Imaging bei Samsung Deutschland. Für sein Unternehmen kann er immerhin beanspruchen, an der Spitze der Aufholjagd zu stehen: „Seit letztem Jahr haben sämtliche Samsung-Kameras eine WLAN-Funktionalität.“ Viele verfügten zusätzlich über NFC – die Funktechnik erleichtert das Koppeln der Geräte. Das wichtigste Argument aus Kundensicht bleibe zwar die Bildqualität, doch schon auf Platz zwei stehe „Konnektivität“.

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