Pink-University-Gründerin: „Entweder du profitierst oder du verlierst“

Pink-University-Gründerin
„Entweder du profitierst oder du verlierst“

Vor acht Jahren gab Britta Kroker ihre Führungsposition beim Campus Verlag auf, drei Jahre später gründete sie ihr eigenes Unternehmen. Seitdem produziert sie Trainingsfilme für Firmen wie Allianz oder Epson.
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Düsseldorf„Ich muss voll in diese Digitalisierung rein.“ Das sagte Britta Kroker sich im Jahr 2008. Damals saß sie in der Leitung des Campus Verlags und sah nach eigener Aussage den Printmarkt schwinden. „Ich wusste: Das Buch wird an Bedeutung verlieren.“ Sowohl im Informations- als auch im Unterhaltungsbereich. Was Neues habe hergemusst. Also stieg sie aus der Verlagsleitung aus und ging den Weg in die Selbstständigkeit, den unbequemeren Weg. Und der führte sie in ein Video-Studio.

Heute, sechs Jahre später, leitet sie mit der Pink University ein professionelles Unternehmen für Video-Learning. Das bedeutet, ihre Firma produziert Tutorials und Fortbildungen im Videoformat; für große Konzerne sowie Privatleute. E-Plus, Allianz oder Epson sind nur drei bekannte Kunden, die die Angebote der Pink University nutzen.

Kroker hat einen Branchen-Nerv getroffen. E-Books sind Normalität und Youtube-Videos dienen vielen, vor allem jungen Leuten, mittlerweile als Nachhilfe-Stunden.

In Deutschland setzen Unternehmen schön länger auf den Trend von Video- und E-Learning. Mitarbeiter digital fortbilden zu lassen, soll Kosten- und Zeitersparnisse mit sich bringen und effizient sein. Dienstreisen fallen weg, das Ziel - nämlich gut ausgebildete Mitarbeiter zu haben - ist wichtiger als deren zwischenmenschliche Erfahrungen.

Einer Studie der Brandon Hall Group zufolge würden viele „High performing companies“, also Unternehmen mit wachsenden Umsätzen, bereits auf mobiles Lernen zurückgreifen. Zudem würden mehr als 60 Prozent aller 278 befragten Firmen videobasierte Fortbildungen für „extrem effektiv“ halten.

Die Tutorials der Pink University heißen beispielsweise „So organisieren Sie sich und Ihr Team“ oder „Aufgabenplanung mit System“. Ihre DNA sei Business, sagt Kroker. In diesem Bereich wollte sie bleiben; also gehen die Workshops alle in Richtung Management- und Berufsberatung. Produziert wird in einem professionellen Fernsehstudio.

Der Coach steht vor der Kamera oder sitzt an einem Schreibtisch und erklärt dem Zuschauer das jeweilige Thema. Angereichert mit Erklärvideos und Multimedia-Elementen wird daraus ein Videotraining. Britta Kroker hat ihre Vorstellung, die digitale Revolution für sich und die Wirtschaft zu nutzen, in die Realität umgesetzt. „Print stirbt aus“, sagt sie. „Bei technischen Veränderungen gibt es zwei Wege: Entweder du profitierst oder du verlierst.“

2014: Endlich in die Gewinnzone

Bevor sie die Pink University gegründet hat, habe sie aber einen Stopp gebraucht, erzählt Britta Kroker. Der direkte Sprung von Print zu Video sei zu schwierig gewesen. Also hat sie 2008 mit der Online-Buchhandlung Managementbuch.de ihren ersten digitalen Erfolg erreicht. Von Wirtschaftsleuten für Wirtschaftsleute, das konnte sogar Amazon Konkurrenz machen. „Was die großen Plattformen damals nicht hatten, war eine Spezialisierung. Ich schon.“

Der nächste Schritt ging schließlich in den Video-Sektor. „Experten sehen, sie erleben und zeigen lassen hatte mir noch gefehlt.“

Weil Kroker und ihr Team, bestehend aus zehn festen und 20 freien Mitarbeitern, 2008 noch keine Vorbilder im Bereich Video-Learning hatten, hat es bis zur Gründung drei Jahre gedauert. Damalige Probleme wie zum Beispiel in der technischen Umsetzung waren aufgrund der Entwicklung 2011 keine Probleme mehr.

„Ich habe die Chance meiner Generation gesehen und wollte den Wandel von Print zu digital mitgestalten“ – auch für die nachfolgende Generation.

Sie wird die „Generation Google“ genannt. Im Laufe der 2000er Jahre wurde der Brockhaus zu Wikipedia, die Bibliothek zu Google und die Gitarrenstunde zu einem Videoclip. Also müssen die Unternehmen mithalten; gerade im Bereich Fort- und Weiterbildung. Das bedeutet eine Professionalisierung der Branche, fordert aber die Einhaltung gewisser Ansprüche.

Der Nachwuchs wird sich eben nicht mit schlecht gemachten Videos abspeisen lassen. „Andere Sehgewohnheiten erfordern andere Maßstäbe“, sagt Medienpädagoge Björn Friedrich von „Studio im Netz“, einer Facheinrichtung für Kinder. Das SIN ist ein Träger der freien Jugendhilfe und konzentriert sich auf die Beziehung von Kindern und digitalen Medien.

Junge, moderne Menschen geben Trends vor. So ist das in der Musik, in der Mode, im Berufsleben. Ein beliebter Spruch: „New is always better.“ Zu Deutsch: Neues ist immer besser.

Youtube zum Beispiel sei laut Friedrich für junge Leute der wichtigste Kanal für Nachrichten & Co. „Im Internet findet man für alles eine Lösung und meistens gibt es dafür ein Video.“

Stärkste Konkurrenz: Universitäten

Lernen per Video: Nur so können Mathenachhilfe und Gitarrenstunden den gleichen Beliebtheitsgrad erhalten. „Kaum eines der bekannten Youtube-Videos wird heute noch unprofessionell hergestellt“, so Friedrich.

Das weiß auch Britta Kroker. Deshalb achte sie bei der Produktion auf qualifizierte Wissensvermittlung sowie auf eine fachgerechte Umsetzung, inklusive Vor- und Nachbereitung. Vier Wochen circa dauert es, bis ein Videotraining online angeboten werden kann.

Das ist teuer: Laut Kroker belaufen sich die Kosten auf eine fünfstellige Summe. „Wir erwarten, in den nächsten sechs Monaten in die Gewinnzone zu kommen“, sagt die Unternehmerin. Der Umsatz hingegen soll sich am Ende des Jahres im Verhältnis zu 2013 verdoppelt haben.

Diese Prognosen dürften den Investor Sven Murmann freuen. Der Verleger der Murmann-Publishers-Group hat nicht nur in die Pink University investiert, sondern ist zudem ihr Hauptgesellschafter.

Eine Schwierigkeit bei dem Konzept gibt es: Kontrollieren, wie viele Personen an einem Videotraining teilnehmen, könne man schließlich nicht. „Ein Buch wird auch von zwei oder drei Leuten gelesen.“ Das sei also einkalkuliert.

Die größte Konkurrenz für Unternehmen, die Video-Learning anbieten, ist der Bereich der Lehre. Universitäten haben unlängst die Vorteile der digitalen Übertragung entdeckt. So werden ganze Vorlesungen im Internet ausgestrahlt, was vor allem eine höhere Flexibilität für die Studenten birgt.

Und die Universitäten bringen das zumeist kostenlos ins Netz, während die Preise der Pink University bei 99 Euro pro Jahr liegen.

Ein aktuelles Programm wurde von den neun führenden Technischen Universitäten Deutschlands entwickelt: „Mooc@TU9“. Hier werden Online-Kurse für junge Erwachsene mit Interesse an deutschem Ingenieurswesen angeboten; kostenlos und auf Englisch. Die Zielgruppe ist international. Die Live-Einheiten werden ebenfalls professionell gefilmt, geschnitten und mit Erklär-Videos angereichert.

Britta Kroker ist froh, früh genug den Weg in die Digitalisierung gegangen zu sein. „Die Welt wird anders werden“ – noch mehr, als es sie sowieso schon ist.

Annika Reinert
Laura Waßermann
Handelsblatt / Freie Mitarbeiterin

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