Plan von France Télécom: Allianz der Kommunikations-Riesen

Plan von France Télécom
Allianz der Kommunikations-Riesen

France Télécom lädt drei europäische Rivalen ein, gemeinsam ein mobiles Betriebssystem zu entwickeln. Dabei sein soll auch die Deutsche Telekom. Die gemeinsamen Gegner Apple und Google könnte die europäischen Wettbewerber einen, hoffen die Franzosen. Doch Telekom und Co. zögern.
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PARIS/DÜSSELDORF/LONDON. Die Branchenneulinge Apple und Google jagen den Telekomkonzernen seit ein paar Jahren lukratives Geschäft mit mobilen Diensten (Apps) und Werbung ab. France Télécom reicht es jetzt: Der französische Marktführer will sich mit seinen größten europäischen Wettbewerbern zusammenschließen, um den Eindringlingen endlich etwas entgegenzusetzen.

Für den 8. Oktober hat France Télécom-Chef Stéphane Richard die Chefs von Deutscher Telekom, Vodafone und Telefónica zu einem Gipfel nach Paris eingeladen. "Wir wollen gemeinsam über die Schaffung eines Betriebssystems nachdenken", kündigt Richard vollmundig in der Zeitung "Le Figaro" an. Geplant ist eine Software für Smartphones, das sind Handys, die auch als Mini-PCs genutzt werden können.

"Ein trojanisches Pferd"

Die Betriebssysteme für diese Alleskönner-Telefone sind seiner Ansicht nach "das trojanische Pferd, das Google und Apple benutzen, um ihre eigene Beziehung zu unseren Kunden aufzubauen", schimpft Richard. Sollte die Allianz zustande kommen, würde das bedeuten, dass die großen Telekomanbieter in direkte Konkurrenz zu den Entwicklern erfolgreicher Smartphones treten, allen voran Apple (iPhone), Google (Android) und Microsoft (Mobile 7).

Die Netzbetreiber stecken in der Sackgasse: Neue Dienste wie Online-Spiele oder Filme aus dem Internet benötigen immer schnellere Netze. Der Bau solcher Überholspuren auf der Datenautobahn kostet aber Milliarden.

Solche Investitionen würden sich womöglich noch rechnen, wenn ihnen zusätzliche Einnahmen in ähnlicher Größenordnung gegenüber stünden. Doch das ist nicht der Fall: Die große Hoffnung der Telekomkonzerne, an Werbung im Internet zu verdienen oder sich auf dem Markt mit kleinen Mobilfunkprogrammen zu etablieren, hat sich nicht erfüllt. Dieses Geschäft haben Google und Apple an sich gerissen.

Die Netzbetreiber befinden sich deshalb in der unangenehmen Lage, zwar die Kosten für den Netzausbau stemmen zu müssen, selbst aber nicht davon zu profitieren.

Die Entwicklung eines eigenen Betriebssystems wäre der Versuch, die eigene Wertschöpfungskette doch noch zu erweitern. Dabei setzen die Franzosen auf die geballte Macht ihrer Kunden: Gemeinsam könnten die vier Anbieter eine Milliarde Kunden vorweisen und laut Richard Einfluss auf die Branche nehmen.

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