Playstation 3
Die Preissenkung, die keine war

David Reeves ist wahrscheinlich derzeit der meist gehasste Mann bei Sony Computer Entertainment. Nachdem der Videospielegigant vorige Woche eine lang erwartete Preissenkung seiner PS3-Spielekonsole angekündigt hatte, rutschte es dem Europa-Chef kurz vor dem Ende der Branchenmesse E3 in Santa Monica doch noch heraus: Schon bald ist damit wieder Schluss.

SANTA MONICA. Denn das auf 499 Dollar preisgesenkte Modell mit der 60 GB großen Festplatte wird sowieso Ende Juli in den USA ausverkauft sein, erklärte Reeves. Danach werde es in den USA nur die neue Version mit 80 GB Festplatte geben – und die kostet wieder 599 Dollar. Eine überraschende Wende für Videospieler und Analysten, die geglaubt hatten, Sony würde den Preiskampf mit Microsoft jetzt aufnehmen.

Dabei hätte es beinahe so ausgesehen, als ob der Trick durchgegangen wäre. Die Sony-Pressekonferenz in den Filmstudios in Culver City war gut gelaufen, obwohl es außer neuer Software und einer leicht verbesserten Version der tragbaren Konsole PSP wenig Neuigkeiten gab und vor allem eines nicht: harte Zahlen zum Erfolg der PS3. Aber es gab auch wenig Kritik, „Sony macht Boden gut“, lautete der Tenor.

Dann der Patzer. Speziell in Europa wurde die Neuigkeit mit Verstimmung aufgenommen. Denn hier wird auf unbestimmte Zeit weiter das „Auslaufmodell“ angeboten werden - zum alten Preis von rund 600 Euro. Der Preis wird lediglich kosmetisch „aufgehübscht“ mit zwei aktuellen Spielen von Sony und einem zusätzlichen Spiele-Controller.

Dabei sind gerade die Spiele das Problem. Es gibt zu wenige und die wenigen sind nicht gut genug. Electronic-Arts-Chef John Riccitiello bringt es diplomatisch auf den Punkt „Es gibt noch kein einziges Spiel, das die Fähigkeiten der PS3 auch nur ansatzweise ausnutzt“, sagte er dem Handelsblatt. Mit anderen Worten: Die aktuelle Haldenware ist noch kein echter Grund, auf die Super-Konsole umzusteigen. Auch nicht in Europa.

Das soll sich zum Weihnachtsquartal ändern, wenn rund eine ganze Armada frischer Spiele, darunter das in den USA heiß erwartete Shooter -Spiel „Killzone 2“, auf den Markt kommen sollen. Microsoft will mit rund 50 Spielen, darunter dem Alien-Shooter „Halo3“ gegenhalten. Die Halo-Saga wird dann die „erste Milliarden Dollar Franchise“ für die Xbox360 erklärte Microsoft-Top-Manager Peter Moore.

Und während sich die beiden Platzhirsche mit Milliarden-Dollar-Aufwand für das Weihnachtsgeschäft rüsten, taucht aus dem Hintergrund ein neuer Verfolger auf: doch es ist nicht Nintendo mit seiner kultigen Konsole „Wii“, sondern Sonys alte Spielekonsole Playstation 2.

Die Überraschung bahnte sich schon im Dezember 2006 an, der erste Monat in dem alle neue Konsolen auf dem Markt waren. Da ging der Oldie PS2 laut NPD Group mit einem Absatz von 1,4 Mill. Stück als absoluter Gewinner aus dem amerikanischen Weihnachtsgeschäft. Selbst im Mai 2007 lag die PS2 in den USA mit 187 765 verkaufen Einheiten immer noch achtbar auf Platz zwei hinter Nintendos Wii (338 270) . In Deutschland wurden nach Angaben von Media Control im ersten Halbjahr 2007 für 203 Mill. Euro rund 5,9 Mill. Videospiele verkauft – 39 Prozent davon für die PS2.

„Das ist die mit Abstand erstaunlichste Beobachtung seit dem Start der neuen Konsolengeneration“, sagte Electronic Arts’ John Riccietello gegenüber dem Handelsblatt. „Wir haben diesmal vier Konsolen am Start, nicht drei.“ Beim Start der PS2 hatte Electronic Arts noch die Entwicklung von PS1-Spielen praktisch direkt eingestellt und so viel Umsatz verschenkt. Das soll diesmal nicht passieren. Guido Alt, Sprecher von Sony-Computer-Entertainment-Deutschland, erklärte auf Anfrage, dass das Geschäft mit der PS2 in Deutschland sogar deutlich über Vorjahr liege. Europaweit gebe es ebenfalls hohe zweistellige Zuwächse, da die PS2 nun auch aktiv in Osteuropa vermarktet werde.

Sogar Sony selber wurde von der Entwicklung überrascht: Das Absatzziel für das laufende Geschäftsjahr liegt jetzt bei rund 10 Mill. Einheiten weltweit, aber die Produktion kommt kaum nach »  (siehe Interview mit Kaz Hirai, President und Group CEO Sony Computer Entertainment International ). Trotzdem könnte der überraschende Oldie-Boom das Zünglein an der Waage für Sony sein, um doch noch im Konsolenkrieg die Oberhand zu behalten, schätzen Analysten.

Zwar ist ein PS2-Käufer erst einmal als PS3-Käufer verloren. Aber langfristig könnte er der Marke so treu bleiben. Somit gewinnt Sony dringend benötigten Umsatz und Zeit. Denn Zeit ist das, was Kaz Hirai wirklich braucht, um Sonys feuerrotes Spielmobile (die Gamingsparte verzeichnete im abgelaufenen Finanzjahr einen operativen Verlust von umgerechnet 1,9 Mrd. Dollar) wieder auf Kurs zu bringen.

Wenn denn die Preise der PS3 schon nicht sinken.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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