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06.05.2008 
Nach Insolvenz schlechte Aussichten für Gläubiger

Pooth muss wohl auch mit Privatvermögen haften

von Frank Wiebe

Gläubigerversammlung in Düsseldorf: 461 Gläubiger haben sich gemeldet und fordern insgesamt 27 Millionen Euro von Franjo Pooths insolventem Unternehmen Maxfield. Für den Mann von Werbe-Ikone Verona Pooth sieht es nicht gut aus. Das gleiche gilt für die Gläubiger.

Da war die Welt noch in Ordnung: Verona Pooth und ihr Ehemann Franjo. Foto: dpaLupe

Da war die Welt noch in Ordnung: Verona Pooth und ihr Ehemann Franjo. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Über der Tür steht „L 111 Schwurgericht“. Daneben hängen drei Ölschinken, die biblische Szenen zeigen, vom Stil her passend zu dem Gerichtsgebäude mit seinen mächtigen ionischen Säulen, das bundesweit durch den Mannesmann-Prozess bekannt wurde. „Miserere mei Deus“, ist auf einem der Bilder zu entziffern.

Vielleicht erbarmt sich der Herr ja im Jenseits. Aber im Diesseits ist Franjo Pooth, der Götter-Gatte der schönen Verona, völlig pleite. Deswegen empfängt sein Insolvenzverwalter Michael Bremen die Gläubiger in Raum 111. unter der Geschäftsnummer 504 IN 12/08. „Hunderte“ hatte die „Bild-Zeitung“ angekündigt, es sind aber nur 15 gekommen, die für eineinhalb Stunden hinter verschlossener Tür tagen und dabei von doppelt so viel Journalisten belagert werden.

Endlich öffnet sich die Tür. Eine ältere Dame mit knallroter Brille und Sommerbluse in gedeckten Farben gibt bereitwillig Auskunft über ihre Gefühlslage: „Es hätte noch schlimmer sein können.“ Sie hat als Designerin für Pooths Firma, die Maxfield GmbH gearbeitet, und bekommt noch Geld von ihm. Nein, wie viel genau will sie nicht verraten, und ob sie die finanziellen Details alle verstanden hat, da ist sie sich auch nicht sicher. Sie ist nervös, genießt aber auch die Aufmerksamkeit. Immerhin, sie ist die einzige der Gläubiger, die überhaupt etwas erzählt, die anderen drängen sich ungeduldig durch den Pulk aus Journalisten und Kameras und suchen das Weite.

Dann kommt der Insolvenzverwalter. Mit eckiger, randloser Brille, schneeweißem Hemd und gestreifter Krawatte versprüht er den Charme eines aufgeräumten Aktenschranks. Routiniert lässt er Begriffe wie „Eröffnungsbilanz“ oder „marginale Quote“ fallen und wehrt lächelnd alle Details zum Privatleben der Pooths ab. „Herrn Pooth gehört nur noch ein Kugelschreiber? So was lese ich auch nur in der Presse.“ Ja, aber die Zusammenarbeit mit Herrn Pooth sei sehr gut, da könne er sich nicht beklagen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Fragen zur Haftung von Verena Pooth

Immerhin deutet er an: Der gescheiterte Unternehmer wird wohl auch mit seinem Privatvermögen haften, seine Frau voraussichtlich aber nicht. „Verona Pooth hat meines Wissens keinerlei Verpflichtungserklärung gegenüber irgendeinem Gläubiger unterschrieben, und alles andere ist für mich irrelevant“, antwortet er auf die zahlreichen Fragen, was es denn bedeute, dass die Eheleute keine Gütertrennung vereinbart hätten: Es hat keine Folgen.

Außerdem stellt er klar, dass nach derzeitigem Kenntnisstand für die Gläubiger kaum etwas zu holen ist, allerdings das Vermögen auch zunächst sehr vorsichtig bewertet werden musste. Er macht auch deutlich, dass es nach seiner Einschätzung keinerlei Chance auf eine Fortführung des Unternehmens gibt. Und mit seiner Aussage, dass die „Insolvenzreife“ des Unternehmens schon Mitte 2007 gegeben war, berührt er einen heiklen Punkt: Erst Monate später hat Franjo Pooth die Insolvenz angemeldet. Ein Grund dafür, dass auch die Staatsanwaltschaft ein eigenes Gutachten zu den Details der Pleite einholen möchte.

Bisher haben sich nach Aussage des Insolvenzverwalters 461 Gläubiger gemeldet, mit Forderungen von insgesamt 27 Millionen Euro, wovon allerdings nur gut 19 Millionen „berechtigt“ seien; die anderen Gläubiger hätten zum Teil Mühe, ihre Ansprüche genau nachzuweisen. Allein 365 „Kleingläubiger“ mit insgesamt 27 000 Euro Forderungen haben sich gemeldet, weil die MP-3-Player, die sie von Maxfield bezogen haben, defekt sind.

So spinnt sich die Affäre Pooth um einen Tag weiter. Eine Affäre, die den Chef der Stadtsparkasse Düsseldorf den Job gekostet hat, weil er allzu freundschaftlich Geschenke entgegengenommen und dafür Kredite ausgereicht hatte. Eine Affäre, die Düsseldorf zu einer Zeit trifft, wo mit WestLB und IKB zwei große Banken der Stadt zu kentern drohen und bei einigen Rettungsplanspielen der Landesregierung die Stadtsparkasse eine wichtige Rolle übernehmen sollte. Eine Affäre um einen Mann, der mit seinem MP-3-Player- und Handy-Vertrieb als Vorzeige-Gründer gefeiert wurde. Und seine Frau, die ziemlich genau zu ihrem 40. Geburtstag von RTL 2 als Moderatorin gefeuert wurde – wegen der Affäre ihres Mannes. „Da werden Sie geholfen“, war ihr berühmtester Spruch. Jetzt braucht sie selbst Hilfe.

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