Popkomm-Reportage: Die Musikbranche lernt von Schwellenländern

Popkomm-Reportage
Die Musikbranche lernt von Schwellenländern

Auf der Popkomm in Berlin geht es in diesem Jahr mehr um Geld als um Musik. Seit Jahren verliert die Branche Einnahmen aus Musikverkäufen. Jetzt lernt sie von den Schwellenländern, welche Probleme ihr noch bevorstehen könnten - und welche Lösungen es gibt.
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BERLIN. Am Abend sitzt Vashuda Sharma auf dem Platz vor dem Gebäuderiegel mit der Aufschrift "Zentralflughafen". Die junge Inderin nimmt eine Akustikgitarre aus dem Koffer und schaut ihren Begleiter mit der Mundharmonika auffordernd an. Am Ende des Tages, an dem Vashuda dem deutschen Publikum ihre Musik vorgestellt hat, geht es einfach um: Musik.

Den Tag über war jedoch Geld das dominierende Thema. Auf der Branchenmesse Popkomm im ehemaligen Berliner Flughafen Tempelhof wollen noch bis Freitag Musik-Labels aus 20 Ländern ihre Musik vermarkten - so wie Vashuda, die Teil einer indischen Delegation ist. Gerade die jungen Popmusiker aus den Schwellenländern zeigen jedoch auch die Probleme der Branche überdeutlich.

Die Popmusik erreicht gerade die letzten Winkel des Globus, wächst also eigentlich. Motherjane heißt eine der Bands, die die indische Delegation per Video bei der Popkomm vorführt. Harte Männer spielen harte Metal-Musik mit leichtem indischen Einschlag. Die Posen gleichen denen ihrer westlichen Vorbilder: breitbeinig gespielte Luftgitarren, nackte Oberarme.

Den großen Unterschied macht das Geschäftsmodell. In Indien, sagt Dewal Prashar, Manager des indischen Musikvermarkters Right Reazons, verdient eine Band fast nichts mit dem Verkauf von CDs oder Musikdateien. Raubkopierer unterbieten die Preise der zahllosen Plattenlabels. 25 Prozent des Umsatzes macht die Branche mit Live-Auftitten, doch über die Hälfte kommt aus Handy-Downloads von Musik, die das Freizeichen ersetzt. Für die Mobilfunkbetreiber ist die Musik mittlerweile mehr als nur ein Nebengeschäft.

In Afrika sponsern Firmen Musiker

Deshalb ist auch Cyntia Torto in Berlin. Die Vodafone-Managerin beschäftigt sich in Ghana mit Musik, auf wieder andere Art. In einigen Staaten Afrikas können Künstler mit Musik nur Geld verdienen, wenn sie sich von einem Konzern vereinnahmen lassen: volles Sponsoring gegen exklusive Auftritte. In Kenia macht eine lokale Brauerei die größten Stars - und lässt sie genauso schnell wieder fallen.

Vodafone-Managerin Torto verspricht ein sanfteres Vorgehen. "Wir wollen als Marke wahrgenommen werden, die junge Künstler in ganzer Breite fördert", sagt sie. Größter Traum der Künstler: der Durchbruch in Nigeria. In dem relativ wohlhabenden Land geben die Fans Millionen für Musik aus.

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