Postbetreiber
Frankreichs La Poste hat keine Angst vor Konkurrenz

Frankreichs staatlicher Postbetreiber will 7,5 Milliarden Euro unter anderem in Zukäufe investieren, um sich fit für den Wettbewerb zu machen, denn ab dem nächsten Jahr fällt auch in Frankreich das letzte Post-Monopol. Das Management von La Poste sieht dem Verlust des Monopols entspannt entgegen.
  • 0

PARIS. Frankreichs La Poste will in den kommenden fünf Jahren 7,5 Milliarden Euro investieren, um sich dem neuen Wettbewerbsumfeld anzupassen. Ab nächstem Jahr fällt auch in Frankreich das letzte Post-Monopol: jenes für Briefe unter 50 Gramm. "Rund 1,6 Milliarden Euro planen wir für Zukäufe ein", erklärte Finanzvorstand Bernard Delpit. La Poste wolle für rund eine Milliarde Euro kleinere Akteure im Bereich Express- und Paketdienst erwerben, rund 600 Millionen Euro sind für Zukäufe von Brief-Dienstleistern (Werbebriefe, Dokumenten-Lösungen) eingeplant. An Mega-Deals wie der zu privatisierenden Royal Mail wollen sich die Franzosen aber nicht beteiligen.

Um das Investitionsprogramm zu finanzieren, soll noch diese Woche eine Kapitalerhöhung von 2,7 Milliarden Euro in trockene Tücher gebracht werden. Post-Chef Jean-Paul Bailly nannte keine Details, dementierte aber Presse-Angaben nicht: Demnach investiert die Staatsbank CDC 1,5 Milliarden Euro in La Poste, der französische Staat 1,2 Milliarden Euro. Damit fällt der direkt vom Staat gehaltene Anteil von 100 auf 74 Prozent.

Frankreich und seine staatliche La Poste galten in Europa lange als Bremser bei der Marktöffnung des Postmarktes. In Deutschland fiel das Briefmonopol bereits 2008. Mittlerweile sieht das Management von La Poste dem Verlust des Monopols entspannt entgegen. Denn der Briefmarkt ist alles andere als attraktiv: "Wir erwarten einen Rückgang der Briefsendungen um 30 Prozent in den kommenden fünf Jahren", so Poste-Chef Bailly. Das Interesse der Konkurrenz am französischen Markt sei daher begrenzt; "Wir erwarten nicht, dass am 1. Januar eine Horde neuer Briefträger in Frankreich einmarschiert", meinte Nicolas Routier, Chef der Briefsparte.

Denn die Krise hat auch dem Expansionshunger der Wettbewerber einen Dämpfer verpasst. Die Deutsche Post ist nach wie vor hausgemachten Problemen beschäftigt, wie der Sanierung von DHL. Dank der Krise haben die Franzosen den Rückstand aufgeholt: "Mittlerweile sind wir so rentabel wie unsere Wettbewerber", so Bailly.

So machte La Poste vergangenes Jahr einen Gewinn vor Steuern und Zinsen von 757 Millionen Euro; die Deutsche Post lag bei 276 Millionen Euro, TNT bei 648 Millionen Euro. Aber: Die Schulden von La Poste belaufen sich auf fast das dreifache des Brutto-Betriebsgewinns (Ebitda); die Deutsche Post ist dagegen de facto schuldenfrei. Daher die Kapitalerhöhung.

Bis 2015 dürften die Umsätze der Briefsparte um 1,8 Milliarden Euro sinken; dennoch soll der Konzern-Umsatz in den kommenden fünf Jahren um knapp sieben Prozent auf dann 22,6 Milliarden Euro zulegen. Der Vorsteuergewinn soll von erwarteten 900 Millionen Euro in diesem Jahr auf 1,7 Milliarden Euro wachsen. Das Wachstum soll vor allem von der eigenen Bank stammen. Sie soll 2015 mehr als drei Viertel des Gewinnns erwirtschaften. Vor dem Hintergrund äußerste Post-Chef Bailly sein Unverständnis darüber, dass die Deutsche Post ihre Bank verkaufen will.

Kommentare zu " Postbetreiber: Frankreichs La Poste hat keine Angst vor Konkurrenz"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%