Präsentationen zum Nulltarif
Das süße Gift der „Pitches“

Für die noch junge Branche der Eventagenturen werden kostenlose Pitches – wie Wettbewerbe um Aufträge im Agenturjargon heißen – zum massiven Problem. Derzeit zieht der europäische Fußballverband Uefa den Ärger der Kommunikationsagenturen auf sich. Der Protest gegen die Ausschreibungsmethoden wird lauter.

DÜSSELDORF. In der Ausschreibung für die Feierlichkeiten zur Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz, die im Februar an Eventagenturen verschickt wurde, lehnt der Fußballverband Uefa Vergütungen für die Präsentationen klar ab. Ein weiterer Makel: Die Uefa beansprucht alle Rechte an den vorgestellten Konzepten für sich – selbst wenn die jeweiligen Eventagenturen bei der Auftragsvergabe leer ausgehen.

Damit ignoriert die Uefa die Mahnungen der Kommunikationsverbände. Denn die weisen immer wieder darauf hin, dass Präsentationen nicht ohne Honorar bleiben dürfen.

Für die noch junge Branche der Eventagenturen werden kostenlose Pitches – wie Wettbewerbe um Aufträge im Agenturjargon heißen – zum massiven Problem: Im Schnitt gebe eine Eventagentur pro Jahr eine Million Euro für die Beteiligung an Ausschreibungen aus – bei einem durchschnittlichen Umsatz von rund 6,5 Millionen Euro bedeute dies viel Geld, sagt Uta Goretzky vom Forum Marketing-Eventagenturen. In einem offenen Brief protestiert der Branchenverband gegen die Uefa-Ausschreibung – bislang steht eine Antwort noch aus.

Während die Eventagenturen lautstark gegen solche Ausschreibungsmethoden protestieren, haben sich die klassischen Werbeagenturen zunächst mit einem Kodex zufrieden gegeben. Im vergangenen Herbst veröffentlichte der Gesamtverband Kommunikationsagenturen (GWA) gemeinsam mit dem Markenverband einen so genannten Pitch-Guide. Darin steht: Alle beteiligten Dienstleister sollten eine Kostenkompensation erhalten. Und: Die Rechte an präsentierten Ideen bleiben bei der jeweiligen Agentur – sofern sie nicht Gewinner des Pitches ist.

„Wir wollten eine Sensibilisierung schaffen“, sagt Uli Veigel, Mitverfasser des Pitch-Guides und Chef der Werbeagentur Grey. „Manche Unternehmen unterschätzen einfach, welche Arbeit sich Agenturen mit einer Ausschreibung machen.“ Doch die GWA-Absichtserklärung wird in der Realität nicht unbedingt ernst genommen. Zumindest hinter vorgehaltener Hand geben viele Unternehmen zu: Kostenlose Pitches stehen auf der Tagesordnung. „Fast alle machen das“, sagt etwa der Markenchef eines großen deutschen Unternehmens.

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