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Präsentationskunst von Apple: „Wie eine Theateraufführung“

Alle Augen auf Apple: Wenn der Konzern neue Produkte vorstellt, ist ihm Aufmerksamkeit gewiss. Ein Präsentationsexperte erklärt, wie Apple den Hype befeuert – und verrät Tricks für die eigene Präsentation.

Beim Vortrag den Körper mitbenutzen: Ole Tillmann bereitet Politiker, Manager und Wissenschaftler auf öffentliche Auftritte vor. Quelle: Ole Tillmann
Beim Vortrag den Körper mitbenutzen: Ole Tillmann bereitet Politiker, Manager und Wissenschaftler auf öffentliche Auftritte vor. Quelle: Ole Tillmann

DüsseldorfApple-Gründer Steve Jobs war für seine perfekt inszenierten Produktpräsentationen berühmt, doch auch seine Nachfolger verstehen sich aufs Verkaufen. Der Coach und Schauspieler Ole Tillmann, der Politiker, Manager und Wissenschaftler auf öffentliche Auftritte vorbereitet, erklärt das Erfolgsrezept des Konzerns und gibt Tipps, was man sich abgucken kann – zum Beispiel bei der Vorstellung des kleineren iPads.

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Handelsblatt Online: Steve Jobs war der große Zeremonienmeister bei Apple. Wie machen sich seine Nachfolger seit seinem Tod vor gut einem Jahr auf der Bühne?
Ole Tillmann: Sie sind hochprofessionell. Man sieht bei allen Beteiligten, wie gründlich sie vorbereitet sind. Deswegen wirken sie so entspannt: Sie wissen genau, was wo hingehört. Es klingt paradox, aber genau das gibt ihnen die Freiheit, dem Zufall Platz zu geben und zum Beispiel aufs Publikum einzugehen. Das Grundgerüst der Präsentationen von Steve Jobs bleibt bestehen: Erst wird die große Vision dargelegt, dann das neue Produkt kurz vorgestellt. Danach folgen die technischen Details.

Der verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs verstand es, seine Zuhörer zu begeistern. Quelle: dapd
Der verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs verstand es, seine Zuhörer zu begeistern. Quelle: dapd

Was ist denn typisch für eine Jobs-Präsentation?
Zunächst mal ist die visuelle Kommunikation „state of the art“: Die Folien sind sehr reduziert, es wird stark auf die Grafik gesetzt. Der Text ist darauf perfekt abgestimmt. Insgesamt ist die Inszenierung sehr gekonnt: Apple mietet ein Theater und hat hochwertige Video-Einspieler. Wenn das Apple-Logo im abgedunkelten Raum leuchtet, hat das fast etwas Göttliches. Das Ganze ähnelt einer Theateraufführung: Kein Sprecher hat Karten in der Hand, der Text wirkt ganz und gar nicht auswendig gelernt.

Amerikaner sind bei ihren Präsentationen oft unterhaltsamer als Deutsche. Fehlt uns das Show-Talent?
Uns fehlt die Kultur des Präsentierens. In den USA werden Kinder und Jugendliche schon in der Schule dazu angehalten, sich zu präsentieren, das fängt schon mit dem Lieblings-Kuscheltier an. Eine extrovertierte Grundhaltung haben die Amerikaner sowieso. Aber man kann Präsentationen trainieren – auch wir Deutschen können es lernen.

Perfekt vorbereitet: Apple-Chef Tim Cook. Quelle: AFP
Perfekt vorbereitet: Apple-Chef Tim Cook. Quelle: AFP

Was heißt das konkret? Was können sich Manager von Apple-Präsentationen abschauen?
Man muss sich gründlich vorbereiten und präzise überlegen, was die Kernbotschaft ist. Wichtig ist, den Vortrag vorher zu üben, am besten vor Freunden oder Kollegen. Dann sehe ich, wie er ankommt. Ein Schauspieler trägt seinen Text ja auch nicht erst bei der Generalprobe auf der Bühne vor. Dabei muss man auch den Körper mitbenutzen. Viele Redner machen nur eine Powerpoint-Präsentation und vergessen, die Geschichte darzustellen. Denn damit die Inhalte rüberkommen, muss man am besten eine Geschichte erzählen.

Zum Beispiel?
Ich kann erzählen, welches Problem sich gestellt hat und auf welchem Weg ich zu einer Erkenntnis gekommen bin. Apple nutzt diese Struktur immer wieder, zum Beispiel beim iPhone: Wir wollten für unsere Kunden das beste Multitasking auf unseren iPhones ermöglichen. Das war nicht einfach, weil sich dadurch die Akkulaufzeit immens verkürzt. Aber wir haben es durch eine innovative Neuprogrammierung trotzdem geschafft. Durch die Strategie, wie Menschen Probleme lösen, ziehen wir Rückschlüsse auf ihren Charakter. Das Gleiche gilt für unsere Wahrnehmung von Unternehmen.

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