Preisoffensive
Kabel Baden-Württemberg attackiert die Deutsche Telekom

Weitere Konkurrenz für die Telekom: Der Netzbetreiber Kabel Baden Württemberg will mit Kampfpreisen in das lukrative Geschäft mit TV- und Internetanschlüssen vordringen – und sieht strukturelle Vorteile für sich selbst.

DÜSSELDORF. Der Kabelnetzbetreiber Kabel Baden Württemberg dringt mit Kampfpreisen in das Geschäft der Telekomkonzerne vor. Ziel ist, die Deutsche Telekom als Marktführer abzulösen. Für einen Preiskampf sieht Kabel-BW-Chef Klaus Thiemann sein Unternehmen besser gerüstet als konkurrierende Telekomanbieter: „Wir haben den direkten Zugang zum Kunden und müssen nicht die letzte Meile von der Telekom mieten“, sagt er dem Handelsblatt.

Die Telekom ist in den meisten Gebieten der einzige Anbieter, der Telefon- und DSL-Kabel bis in die Wohnzimmer verlegt hat. Da sich ein solcher Ausbau für die Wettbewerber nicht lohnen würde, mieten sie diese letzte Meile für 10,50 Euro im Monat bei der Telekom. Die Kabelnetzbetreiber haben das jedoch nicht nötig, weil sie ihre ursprünglich nur für die Fernsehübertragung gedachten Kabel ebenfalls bis in die Häuser gelegt haben. Thiemann sieht sich deshalb im Kampf gegen die Telekom besser vorbereitet als Telekom-Rivalen wie Arcor oder Versatel.

Allerdings sind auch die Kabelanbieter nicht vollkommen frei in ihrer Preisgestaltung: Sie brauchen Geld, um die immensen Investitionen zu rechtfertigen, die die Aufrüstung ihrer TV-Kabel zu internetfähigen Leitungen verschlingt. Kabel BW lässt sich das in diesem Jahr 176 Mill. Euro kosten – dies entspricht 50 Prozent vom Umsatz. Mitte 2008 sollen alle Haushalte Internet über Kabel BW bekommen können.

Die hohen Investitionen belasten jedoch die Bilanz. Kabel BW ist bilanziell mit 90 Mill. Euro überschuldet, nachdem das Unternehmen im Sommer Verbindlichkeiten gegenüber seinen ehemaligen Eigentümern, den Finanzinvestoren Blackstone und der kanadischen CPDQ abgelöst hatte. „Der Schuldenberg ist kein Thema“, beteuert Thiemann. Dies sei ein rein bilanzieller Effekt, der aus einer Unterbewertung der Vermögenswerte resultiere. Der neue Eigentümer, der Finanzinvestor EQT, verfüge über genügend Eigenkapital und trage die Expansionsstrategie von Kabel BW voll mit.

Thiemann setzt nun verstärkt auf aggressive Preise, weil der DSL-Markt derzeit verteilt wird. „Es ist Endspielzeit im Gewerbe“, sagt er. So sind die TV–, Telefon- und Internetpakete von Kabel BW fünf bis zehn Euro pro Monat billiger als die der Wettbewerber.

Auch Telekom-Chef René Obermann sieht mit den Kabelkonzernen ernst zu nehmende Wettbewerber entstehen. Derzeit führen sie in der Telekomwelt aber noch ein Nischendasein: Sie liefern gerade einmal vier Prozent aller Internet-Zugänge. Eine Studie der Unternehmensberatung Solon kommt zu dem Ergebnis, dass dieser Anteil bis zum Jahr 2010 zwar auf zehn Prozent wachsen wird. Doch damit wäre Deutschland immer noch weit von dem Wettbewerb in anderen Ländern entfernt. In den USA etwa stellen Kabelanbieter wie Comcast jeden zweiten Internet-Anschluss bereit.

Für die deutschen Kabelnetzbetreiber ist das neue Geschäftsfeld Telekom äußerst lukrativ. „Das Festnetzgeschäft ist zehn Mal so groß wie unser Geschäft“, sagt Thiemann. Er will deshalb vor allem in diesem Bereich seinen Umsatz steigern. Derzeit erzielt er bereits ein Viertel seines Umsatzes mit DSL-Anschlüssen. Diesen Anteil will er in den kommenden Jahren auf 40 Prozent ausweiten. Pro Kunde erwirtschaftet sein Unternehmen dann nicht mehr nur die Kabel-TV-Gebühr von rund 15 Euro monatlich, sondern von rund 35 bis 60 Euro – je nach Paket. Thiemanns ambitioniertes Ziel ist es, den Jahresumsatz von 290 Mill. Euro im vergangenen Jahr bis 2010 auf 550 Mill. fast zu verdoppeln.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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