Preisverfall
Schatten über Googles Paradies

Mit einem kräftigen Umsatzzuwachs präsentiert sich Google auch im abgelaufenen Quartal. Das verschafft Zeit, um Probleme im mobilen Internet anzugehen. Die verpasste Expansion bei Sozialen Netzen könnte sich rächen.
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San FranciscoVordergründig ist alles blendend. In der alten Internetwelt macht niemand Google etwas vor.  Neue Angebote bei Youtube und den Internet-Diensten zogen mehr Werbekunden an, was im zweiten Quartal zu einem gesunden Plus von 33 Prozent bei den Klicks auf Anzeigen auf Google-eigenen Seiten führte. Ein unschöner Einbruch bei den Preisen für Anzeigen von sechs Prozent wird damit mehr als ausgeglichen. Der Abwärtstrend verlangsamte sich zudem. Im ersten Quartal fielen die Preise noch um neun Prozent. Zusammen mit einem Umsatzsprung auf netto 12,7 Milliarden Dollar nach 10,16 im Vorjahr und einem Nettogewinn von 3,42 Milliarden Dollar nach 3,29 Milliarden Dollar reichte das den Anlegern, um an der Börse die Tagesverluste von 1,66 Prozent auf 580,82 Dollar nachbörslich fast wieder auszugleichen.

Alle Augen sind jetzt auf Facebook gereichtet. Schafft es der schärfste Konkurrent von Google am 23. Juli nicht nur beim Umsatz eindrucksvolle Wachstumsraten vorzulegen, sondern auch bei den Werbepreisen, dann verdichtet sich das Bild des mobilen Google-Problems. Alles fokussiert sich auf sogenannte „native Werbung“. Sie ist im Idealfall stark den Gewohnheiten und Vorlieben des Nutzers angepasst. Facebook bindet sie nahtlos in den Nachrichtenstrom seiner Nutzer ein, was laut Facebook auf dem PC-Bildschirm und auf Smartphones deutlich höhere Akzeptanzwerte als klassische Anzeigen am rechten Rand erzielt. Facebook punktet daneben mit dem Fotodienst Instagram, der ebenfalls geeignet ist für native Werbeform und mobilfreundlich ist. Konkurrent Yahoo hat hier Flickr, scheint aber einfach nicht in der Lage zu sein, dieses Potenzial auszunutzen. Google hat wenig in diesem Bereich gegenzusetzen.

Hier ist das Problem: Auch wenn Google die Umsätze mobil und im Desktop-Bereich nicht gesondert ausweist, wird zumindest zugegeben, dass der Mobilbereich „herausfordernd“ ist. Der kleine Bildschirm auf Smartphones oder Tablets lässt weniger Werbefläche. Gleichzeitig haben nur wenige Nutzer Lust, sich durch diverse Mobilseiten durchzuklicken, um einen Kauf abzuschließen. Werbetreibende wollen deshalb weniger bezahlen.

Die Frage ist seit langem, wer die Machtverschiebung in das mobile Internet für sich entscheiden wird. Auf der einen Seite hat Google die schiere und praktisch uneinholbaren Übermacht im klassischen Suchmarkt. Doch im aufstrebenden Markt der sozialen Netzwerke ist Facebook mobil und auf dem PC vorbeigezogen. Google+ ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Apple beherrscht mit iOS den App-Markt und Googles mobiles Betriebssystem Android hängt davon ab, wer tatsächlich Googles Angebote wie Mail, Suche und Maps nutzt. Amazon macht es jedenfalls nicht und andere, vor allem schnell wachsende asiatische Android-Hersteller wie Xiaomi, haben ebenfalls keine Lust dazu. Aber ohne Daten über die Nutzer kann Google schlechter treffsichere Werbung schalten.

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