Premiere sucht seine Zukunft im frei empfangbaren Fernsehen. Deutschlands größter Bezahlsender will den Berliner Sender Sat 1 kaufen. Mit dem Kauf eines Senders wie Sat 1 könne Premiere seine Wertschöpfungskette erweitern – und von Größenvorteilen im Film- und Sportrechteeinkauf profitieren.
Bezahlkanal will frei empfangbaren Sender Sat 1 kaufen - Time WarnerMÜNCHEN. Der Bezahlsender Premiere
plant den Einstieg ins frei empfangbare Fernsehen. "Die Kombination mit einem Free-TV-Sender würde Premiere
voranbringen", sagte Vorstandschef Michael Börnicke dem Handelsblatt. Ziel des Unternehmens sei es, damit in eine neue Größenordnung vorzustoßen. Von derzeit knapp einer Mrd. Euro solle der Umsatz mittelfristig auf zwei bis drei Mrd. steigen. So will Börnicke ein Gegengewicht zu den übermächtigen öffentlich-rechtlichen Sendern schaffen und Premiere
nachhaltig in die schwarzen Zahlen führen.
Der Manager hat auch bereits einen Übernahmekandidaten im Visier: "Wir sind daran interessiert, Sat 1 zu kaufen. Der Berliner Sender würde ideal zu uns passen." Allerdings gibt es noch keine Verhandlungen mit Pro Sieben
Sat 1, der mehrheitlich den Finanzinvestoren Permira und KKR gehört.
In den vergangenen Monaten wurden kleinere Sender wie "Das Vierte" vom amerikanischen Medienkonzern NBC Universal zum Kauf angeboten. Doch ein Nischenkanal ist Premiere
zu wenig. "Das würde uns nicht helfen. Wir wollen in den nächsten zwei bis drei Jahren stark wachsen", sagte Börnicke.
Premiere
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Warum Premiere in die Offensive gehen kann.
Der Manager kann in die Offensive gehen, weil er seit einigen Wochen mit dem amerikanischen Medienkonzern News Corp.
einen finanzstarken Großaktionär im Rücken hat. Der Konzern des Medienmoguls Rupert Murdoch hat seinen Anteil an Premiere
auf 22,7 Prozent gesteigert. News Corp
war im Januar bei Premiere
eingestiegen und hatte seinen Anteil im Februar auf 19,99 Prozent erhöht. Dies hatte Spekulationen über eine vollständige Übernahme von Premiere
ausgelöst. Sollte News Corp
seinen Anteil auf mehr als 30 Prozent steigern, müsste der Konzern ein Übernahmeangebot unterbreiten.
Angesichts möglicher weiterer Aktienkäufe von Murdoch sehen Analysten großes Potenzial für die im MDax notierten Aktien. Die Aktienbroker von Cheuvreux gehen davon aus, dass die Papiere wegen der Übernahmespekulationen von derzeit rund 14 Euro auf knapp 20 Euro klettern werden.
Mit dem Kauf eines Senders wie Sat 1 könne Premiere
seine Wertschöpfungskette erweitern und von Größenvorteilen im Film- und Sportrechteeinkauf profitieren, sagte Börnicke. Sein Haus arbeitet bereits heute bei Sportereignissen mit Sat 1 zusammen und gibt zum Teil Übertragungsrechte weiter. Diese Kooperation laufe hervorragend, so Premiere
-Sportvorstand
Carsten Schmidt. Mit Sat 1 hätte Premiere
das Ziel, den Umsatz zu verdoppeln, auf einen Schlag erreicht.
Wegen schlechter Zahlen und schwacher Einschaltquoten ist Sat 1 seit Jahren das Sorgenkind der hochverschuldeten Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe. Der Sender kommt aber auf einen Marktanteil von mehr als zehn Prozent unter den 14- bis 49-Jährigen und würde damit Premiere
den Zugang zu weiten Teilen der Bevölkerung erschließen. "Es gibt keine Gespräche über einen Verkauf von Sat 1", kommentierte eine Sprecherin von Pro Sieben
Sat 1 die Pläne. In Vorstandskreisen wird eine Zerschlagung der Sendergruppe als "völlig abwegig" bezeichnet.
Einen Erfolg kann Premiere
bereits verbuchen: Heute wird der Konzern mitteilen, dass die Fernsehtochter des US-Medienkonzerns Time Warner
bei der Satellitenplattform Premiere Star einsteigt. Turner Broadcasting, durch CNN bekannt, wird für einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag 8,5 Prozent an der Premiere
-Tochter
erwerben.

