Presse
Fehde zwischen Augstein-Tochter und „Spiegel“

Erst rechnete Franziska Augstein, die Tochter von Spiegel-Gründer Rudolf Augstein, mit Chefredakteur Stefan Aust ab, dann warfen sich die Ressortleiter des Magazins für ihren Boss in die Bresche: Deutschlands einflussreichste Wochenzeitschrift macht unrühmlich von sich reden. Es geht nicht um Geld - es geht um die „Linie“.

HB HAMBURG. Franziska Augstein, die Redakteurin der "Süddeutschen Zeitung", ist, hatte am Donnerstag in einem Vortrag in Berlin Aust heftig kritisiert. Unter seinem Einfluss habe das Nachrichtenmagazin seine Stellung als Leitmedium des deutschen Journalismus verloren, sagte sie. Das Blatt habe wichtige journalistische Standards aufgegeben, verlagere sich auf weiche Themen, sei "ein geschwätziges Blatt unter vielen".

Die Konkurrenz, so die Tochter des "Spiegel"-Gründers Rudolf Augstein, würde darüber frohlocken, weil ihr der Anreiz genommen sei, den einstigen "Spiegel"-Maßstäben nachzueifern. Die Berufskennzeichnung eines Chefredakteurs, so Franziska Augstein weiter, decke sich nicht mit der eines Heiligen. Scharf kritisierte sie ein Aust-Porträt aus der Feder seines Freundes Michael Jürgs im neuen Magazin "Park Avenue". Diese "Suada" zeige, daß es auch bei Gruner + Jahr mit journalistischen Standards nicht zum besten stehe.

Investigativer Journalismus, so schloß Franziska Augstein ihren Vortrag zum Thema "Einfalt statt Vielfalt", bedeute heute, wenig in Recherche zu investieren - und kein Erbe zu riskieren.

Gruner + Jahr ist mit 25,5 Prozent am "Spiegel" beteiligt, den Augstein-Kindern Franziska und Jakob gehören 24 Prozent, 50,5 Prozent hält eine KG der Mitarbeiter. Am kommenden Mittwoch soll das Thema auf Wunsch von Erben und Mitarbeiter KG auf einer Gesellschafterversammlung erörtert werden. Aust hält dies für einen Verstoß gegen die redaktionelle Unabhängigkeit und sagte eine Teilnahme an der Sitzung ab.

Einen Tag nach Franziska Augsteins Rede war auf Spiegel Online eine Art Stellungnahme der Ressortleiter des Magazins zu lesen. Unter der Überschrift "Eigentum verpflichtet" nahmen die Verfasser die Kritik "mit Befremden zur Kenntnis". Ihre Hauptargumente, so die "Spiegel"-Ressortleiter, zeigten, dass sie "wenig versteht von dem, wie ein Nachrichtenmagazin im allgemeinen und der Spiegel im besonderen zu berichten hat".

Die Verfasser werfen Augstein vor, sie habe sich durch ihre Enttäuschung leiten lassen, dass ihr Vater ihr keine publizistische Macht über den "Spiegel" vererbt habe. Das Magazin stehe glänzend da - dank der Arbeit der Chefredaktion. Zum Schluss wird Augstein gebeten, "das Ansehen des Blattes nicht weiter zu beschädigen", die übrigen Gesellschafter - und damit wohl vor allem Gruner + Jahr - werden aufgefordert, sich zum "geschäftsschädigenden Verhalten der Miterbin zu äußern".

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