Pressemarkt auf der iberischen Halbinsel ist heiß umkämpft: Kündigungswelle erreicht Spaniens Wirtschaftspresse

Pressemarkt auf der iberischen Halbinsel ist heiß umkämpft
Kündigungswelle erreicht Spaniens Wirtschaftspresse

Die Misere in der europäischen Verlagslandschaft macht vor Spanien nicht halt. Mit Kostensenkungen und Personalabbau versuchen die spanischen Medienhäuser, sich im schwachem Anzeigenmarkt zu behaupten. Nachdem der private Fernsehsender Antena 3 mit Kündigungsplänen wochenlang die Schlagzeilen beherrschte, kündigt nun auch die zweitgrößte Wirtschaftszeitung Cinco Días drastische Personalkürzungen an. Auch beim Radiosender Onda Cero stehen Kündigungen an.

MADRID. Cinco Días will sich von 43 seiner insgesamt 120 Angestellten in Redaktion und Verwaltung trennen. 21 Redakteure sollen die Zeitung verlassen. Cinco Días gehört zu Prisa, Spaniens größtem Medienkonzern. Das börsennotierte Unternehmen gibt auch Spaniens größte Tageszeitung El País heraus. Den Einschnitt bei Cinco Días hält Prisa für notwendig, um die Zukunft des defizitären Wirtschaftsblatts zu sichern. Konzernangaben zufolge bekommen die Wirtschaftszeitungen die Flaute im Anzeigengeschäft besonders kräftig zu spüren. Infoadex zufolge lag 2002 das Minus bei 11,2 %. Für 2003 hat das Unternehmen, das den spanischen Werbemarkt beobachtet, noch keine abschließenden Daten ermittelt. Der Gesamtmarkt (+ 0,2 % in 2002) habe sich indes stabilisiert, heißt es.

Bei Cinco Días sanken die Werbeeinnahmen in den ersten neun Monaten 2003 um 6,4 %. Der gesamte Konzern verzeichnete dagegen ein Plus von 2,1 %. Der Gesamtumsatz erhöhte sich um 5 % auf 989 Mill. Euro, der Nettogewinn lag bei 47,6 Mill. Euro. Analysten werteten die angekündigten Kürzungen als wenig überraschend. Prisa wolle die Rentabilität seines Wirtschaftstitels erhöhen, meinte das Brokerhaus Ibersecurities in Madrid. Medienbeobachter dagegen schließen nicht aus, dass die hohe Zahl der Kündigungen schon das Ende der Zeitung ankündigt. Bei Prisa-Chef Jesús de Polanco soll der Titel keine große Wertschätzung genießen. Auch Versuche, die Attraktivität zu steigern, wie zum Beispiel ein neues Layout , haben sich nicht positiv auf die Zahl der Leser ausgewirkt. Die tägliche Auflage rutschte zwischen Juli und September 2003 von 24 523 auf 23 188 Exemplare.

Spanien leistet sich drei Wirtschaftszeitungen. Marktführer Expansión, bereits im vergangenen Jahr von Personalabbau betroffen, erreicht eine Auflage von rund 48 000 Exemplare, der dritte im Bunde, La Gaceta, knapp 15 000. Der zunehmende Online-Service sowie der Ausbau der Wirtschaftsseiten allgemeiner Zeitungen habe die Konkurrenz weiter verschärft, sagt Alejandro Navas, Kommunikationsexperte an der Universität Navarra in Pamplona.

Der Pressemarkt auf der iberischen Halbinsel ist heiß umkämpft. Anders als in Deutschland ist der Bezug über ein Zeitungsabonnement nicht sehr verbreitet. Spanier kaufen am Kiosk, müssen also täglich neu umworben werden. Das treibt bunte Blüten: Zeitungen und Magazine lassen sich unentwegt neue Werbegeschenke einfallen, um Leser zu ködern. Mit den Coupons verschiedener Ausgaben kann der Leser ganze Bücherkollektionen, Compactdiscs oder Videos zu Schleuderpreisen erwerben. Die Qualität bleibt dabei nicht auf der Strecke: El País und seine größte Konkurrenzzeitung El Mundo locken die Leser gerade mit einer mehrbändigen Enzyklopädie.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%