Presserat
Germanwings-Copilot durfte mit Namen genannt werden

Das Interesse am Germanwings-Absturz im März war riesig. Eine Debatte entbrannte darum, ob der Name des Co-Piloten vollständig genannt werden durfte. Ja, entscheidet der Deutsche Presserat – und begründet den Beschluss.
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FrankfurtDer Name des Copiloten der abgestürzten Germanwings-Maschine durfte nach Ansicht des Deutschen Presserats bei der Berichterstattung über die Katastrophe genannt werden. Demnach beging Andreas L. (Anm.: das Handelsblatt verzichtet auf die Namensnennung), als er am 24. März den Jet zum Absturz brachte, „eine außergewöhnlich schwere Tat, die in ihrer Art und Dimension einzigartig ist“. Dies spreche für ein „überwiegendes öffentliches Interesse an dem Fall“, wie das Selbstkontrollorgan der deutschen Printmedien am Donnerstag in Berlin erläuterte.

Auch die sonst gebotene Zurückhaltung in Berichten über Suizide trete mit Blick auf die weiteren 149 Todesopfer in den Hintergrund, teilte der Rat mit. Eine Fülle entsprechender Beschwerden wurde abgewiesen. Auch die Veröffentlichung von Fotos des Copiloten sei in den allermeisten Fällen gerechtfertigt gewesen, so die Entscheidung.

Fotos von Opfern und Angehörigen gerügt

Der Presserat rügte dagegen Berichte von mehreren Medien, die Bilder und Namen von Opfern veröffentlichten. Auch ein Artikel in einer Regionalzeitung über die Partnerin von L. wurde mit einer Rüge beanstandet. Zwar sei dabei nicht der vollständige Name veröffentlicht worden. Doch enthalte der Text Einzelheiten, mit der die Frau „für einen erweiterten Personenkreis“ zu erkennen sei.

Eine Missbilligung sprach der Beschwerdeausschuss gegen ein Onlinemedium aus, weil in zwei Artikeln zu viele Details über die Eltern des Copiloten genannt worden waren. Eine weitere Missbilligung erhielt eine regionale Tageszeitung, weil sie ein Foto veröffentlicht hatte, welches das Haus der Eltern des Copiloten weiträumig zeigte.

Wegen der großen Zahl der Zuschriften musste der Presserat zwei Tage beraten. Ihn hatten zur Katastrophe mit 150 Toten Beschwerden von 430 Menschen erreicht, so viele wie nie zuvor zu einem einzelnen Ereignis. Dabei ging es vor allem um die Identifizierung von L. und um die Veröffentlichung von Opferfotos.

Keinen Verstoß sah der Ausschuss in der „Bild“-Kolumne „Post von Wagner: Liebe Absturzopfer“, gegen die 31 Beschwerden vorlagen. Ausschlaggebend war, dass darin keine Äußerungen enthalten waren, die gegen den Pressekodex verstoßen. „Zu Entscheidungen über guten oder schlechten Geschmack ist der Presserat jedoch nicht berufen.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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