Private-Equity-Konsortien an TDC interessiert
Investoren umgarnen Netzbetreiber

Finanzinvestoren suchen verstärkt nach Übernahmemöglichkeiten in der europäischen Telekombranche. Jüngstes Beispiel ist der dänische TDC-Konzern, für den sich offenbar zwei verschiedene Investorengruppen interessieren. Das berichtet das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf Branchenkreise.

STOCKHOLM/DÜSSELDORF. Grund für das wachsende Interesse: Die Telekomfirmen haben ihre Schulden wieder im Griff, die Märkte sind weitgehend gesättigt und der Wettbewerb ist intensiv. „Das sind ideale Bedingungen für die Geschäfte privater Finanzinvestoren“, sagt Jochen Reichert vom Analysehaus SES Research.

Der Aktienkurs von TDC, Dänemarks größtem Telekom-Konzern, stieg gestern zwischenzeitlich um mehr als zehn Prozent und erreichte ein Vierjahres-Hoch. Zu dem einen Bieterkonsortium sollen dem Bericht zufolge die britischen Investmentfirmen Apax Partners und Permira sowie die amerikanische Blackstone Group und Providence Equity Partners gehören. Im zweiten Konsortium sie die amerikanischen Kohlberg Kravis Roberts und der britischen BC Partners. TDC ist an der Börse etwa 54,4 Mrd. Kronen (7,3 Mrd. Euro) wert.

TDC teilte in Kopenhagen nur mit, dass Interessenten „immer wieder einmal“ wegen Beteiligungen, Partnerschaften oder anderen strategische Transaktionen angefragt hätten. Man kommentiere Pressegerüchte aber nicht, hieß es. Auch die Investmentgesellschaften wollten sich nicht äußern.

Analysten halten eine fremdkapitalfinanzierte Übernahme von TDC aber für durchaus denkbar. „TDC ist ein attraktiver Konzern, der unter keiner staatlichen Beteiligung mehr leidet“, sagte etwa Telekom-Analyst Håkan Wranne von Fischer Partners in Stockholm. TDC sei zudem ein interessantes Übernahmeobjekt, da der Konzern mit einer prall gefüllten Kasse leicht aufzuteilen und einzeln wieder zu veräußern sei.

Ein dänischer Analyst sprach von einer 50:50-Chance, dass TDC von anderen Unternehmen übernommen werde. Eine komplette Übernahme sei nach dem Ausstieg des amerikanischen Hauptaktionärs SBC Communications im vorigen Jahr auch wegen der breit gestreuten Eignerstruktur relativ einfach.

Der Konzern ist im Festnetz- und Mobilfunkbereich in mehreren europäischen Ländern tätig. In Deutschland gehört etwa der Mobilfunk-Dienstleister Talkline zum dänischen Konzern. Auch in den baltischen und nordeuropäischen Ländern, der Schweiz und Polen unterhalten die Dänen Tochtergesellschaften, die zusammen für etwas mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes von 46,5 Mrd. Kronen stehen. Insgesamt hat TDC in Europa rund 15,5 Mill. Kunden.

Unter Konzernchef Henning Dyremose hat der einstige Staatskonzern gleichzeitig Beteiligungen an Unternehmen abgestoßen, bei denen man nicht die Kontrollmehrheit erlangen konnte. TDC verkaufte seit 1998 elf Minderheitsbeteiligungen. Außerdem trennte sich das Unternehmen von Bereichen wie der Branchenverzeichnis-Sparte, die nicht zum Kerngeschäft gehörten. Einen Großteil der Erlöse investierte TDC in den Rückkauf eigener Aktien, um sich gegen mögliche Übernahmeversuche zu wappnen.

Auch in Deutschland schaltet sich demnächst ein Finanzinvestor in die Telekom-Szene ein: Die britische Apax will für 565 Mill. Euro das deutsche Glasfasernetz des niederländischen Netzbetreibers Versatel kaufen. Die Briten schlagen allerdings erst bei Versatel zu, nachdem das schwedische Telekommunikationsunternehmen Tele 2 die niederländische Versatel übernommen hat. Das soll voraussichtlich im September geschehen.

Tele 2 stellte gestern klar, dass der Konzern am Kaufpreis von 1,34 Mrd. Euro und damit 2,20 Euro pro Aktie für Versatel festhalte. Die Versatel-Papiere hatten seit der Bekanntgabe der Kaufabsichten Mitte Juli mehrfach über 2,20 Euro gelegen. Analysten werteten dies als Zeichen dafür, dass eine große Gruppe von Investoren einen höheren Preis für angemessen hält.

Ob das Interesse der Finanzinvestoren auch weltweit gilt, kann sich 2006 in Australien zeigen: Dann will die australische Regierung den größten Telekom-Anbieter des Landes, Telstra, privatisieren.

Bieterduelle um Telekommunikationsgesellschaften

Lukrative Firmen: Finanzinvestoren engagieren sich zunehmend in der Telekommunikationsbranche, weil zahlreiche Telekom-Märkte vor einer Konsolidierung stehen.

Eifrige Bieter: Zu den üblichen Verdächtigen, die häufig für ein Telekomunternehmen bieten, gehören die britischen Gesellschaften Apax und Permira sowie die amerikanischen Gruppen Blackstone, Providence und Carlyle.

Verpasste Gelegenheiten: In jüngster Zeit sind die Private-Equity-Gesellschaften aber oft leer ausgegangen, wenn sie geboten haben. So ging der spanische Mobilfunkanbieter Amena nach Ablauf der Bieterfrist doch noch an die France Télécom. Den österreichischen Mobilnetzbetreiber Telering übernimmt die Deutsche Telekom, und den italienischen Mobilfunkanbieter Wind hat der ägyptische Investor Naguib Sawiris gekauft.

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