Privatisierung
Telekom verpasst Chance in Slowenien

Der Finanzinvestor Cinven soll die staatliche Telekom Slovenije übernehmen. Zuvor hatte die Deutsche Telekom Interesse gezeigt. In Slowenien ist der Verkauf der staatlichen Telefongesellschaft jedoch heftig umstritten.
  • 0

Ljubjlana, DüsseldorfEs hätte sich im Portfolio gut gemacht, doch statt der Deutschen Telekom kommt der britische Finanzinvestor Cinven bei der Privatisierung der staatlichen Telefongesellschaft Sloweniens zum Zug. Der Aufsichtsrat des Marktführers Telekom Slovenije soll dem bereits am Donnerstag zugestimmt haben, bestätigen Regierungskreise dem Handelsblatt. Die slowenische Staatsholding will ihren Anteil von 72 Prozent an das Private Equity-Unternehmen verkaufen. Doch in der Regierungskoalition ist der Verkauf aber immer nicht unumstritten. Der sozialdemokratische Koalitionspartner lehnt ab.

„Wir suchen nach ernsten und verantwortungsvollen Käufer“, sagte der slowenische Ministerpräsident Miro Cerar dem Handelsblatt zum laufenden Privatisierungsprozess. „Wenn der Preis nicht stimmt, sollte ein Unternehmen nicht verkauft werden“, sagte der seit vergangenem Jahr regierende Premier grundsätzlich.

Innerhalb Sloweniens ist der Verkauf heftig umstritten. Die Vereinigten Linke kritisierte die angebliche Intransparenz und Unwirtschaftlichkeit des Privatisierungsverfahrens. Sie äußerte nach einem Bericht in slowenischen Medien den Verdacht, dass es zwischen Cinven und der Deutschen Telekom Preisabsprachen gebe.

Bislang hatten deutsche Unternehmen bei der Privatisierung gute Karten. Zuletzt erwarb Fraport den Flughafen Ljubjlana aus dem Staatsbesitz. Auch der schwäbische Automobilzulieferkonzern Mahle übernahm in dem Balkanland die Mehrheit an dem slowenischen Automobilzulieferer Letrika. „Wir präferieren deutsche Investoren“, sagte der slowenische Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Zdravko Pocivalsek, auf Nachfrage. „Wir sind sehr zufrieden mit Fraport und Mahle.“ Deutschland sei der drittgrößte Auslandsinvestor in dem EU-Land.

Telekom Slovenije dominiert den Heimatmarkt und ist zudem noch im Kosovo und Mazedonien präsent. Der Einstieg der Deutschen Telekom galt noch vor einem Monat als logisch. Der Magenta-Konzern ist nahezu allen Nachbarstaaten Sloweniens wie Österreich, Kroatien und Ungarn bereits mit Tochtergesellschaften präsent, in Ungarn und Kroatien bietet er sowohl Mobilfunk- als auch Festnetzleistungen an. Das versprach ursprünglich Synergieeffekten bei Netzausbau und Einkauf, da auch Telekom Slovenije als integrierter Anbieter auftritt. Die Deutsche Telekom soll sich laut Regierungskreisen um einen Kauf beworben haben, hat aber am Ende kein Gebot für das Unternehmen abgegeben. Das Unternehmen hat sein Interesse nie öffentlich bestätigt und möchte den Fall auch nicht kommentieren.

Seite 1:

Telekom verpasst Chance in Slowenien

Seite 2:

Das Ziel, Europas größter Anbieter zu werden

Kommentare zu " Privatisierung: Telekom verpasst Chance in Slowenien"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%