Die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus Werbung und Gebühren in Europa sieht Gerhard Zeiler, Vorstandschef des größten europäischen Fernsehkonzerns RTL Group, schon lange am Scheideweg. „Der Spagat zwischen Gebühren- und Werbeeinnahmen kann auf Dauer nicht gelingen“, sagte er bereits vor Monaten. „Dass gebührenpflichtige Sender sich immer stärker auf werberelevante Zielgruppen konzentrieren und anspruchsvolle Informations- und Bildungsprogramme kurz vor Mitternacht senden, macht auf Dauer keinen Sinn“, sagte der frühere Generalintendant des österreichischen ORF.
Frankreichs Staatspräsident Sarkozy hatte vorgestern angekündigt, er wolle Werbung bei den öffentlich-rechtlichen Sendern verbieten. In Frankreich ist der Plan umstritten, zumal er für alle Beteiligten vollkommen überraschend kam. Weder die öffentlichen noch die privaten Sender waren offenbar informiert.
Fragen wirft vor allem die geplante Gegenfinanzierung des Werbeverzichts auf: eine Steuer auf die Werbeeinnahmen der Privat-Sender sowie auf die Handy- und Internetnutzung. Wegen der großen Unsicherheiten gaben die Aktien der Privatsender TF 1 und M 6 den Großteil ihrer Kursgewinne gestern wieder ab. Analysten verwiesen darauf, dass wegen der beschränkten Werbezeiten TF 1 und M 6 die Werbeeinnahmen von France Télévision von rund 800 Mill. Euro gar komplett nicht übernehmen könnten. Hinzu kommt die Frage, wie hoch die Steuer auf Werbeeinahmen ausfällt. „Eine eigene Steuer oder die Erhöhung einer bestehenden Steuer zur Kompensation von Werbeeinnahmen halte ich in Deutschland für undenkbar“, sagte ARD-Chef Raff.
Auch Maurice Lévy, Chef des Werberiesen Publicis, hält den Sarkozy-Vorstoß für eine schlechte Idee: Auf dem französischen Werbemarkt fehlen bereits heute Kapazitäten im audiovisuellen Bereich. Da die Werbeplätze bei TF1 und M6 bereits ausgebucht seien, drohten inflationäre Tendenzen. Die Analysten von Exane meinen, dass auch die erwartete Lockerung der Werbebeschränkungen daran nichts ändern wird.
Marktführer TF 1, der rund 50 Prozent am TV-Werbekuchen hält, hüllt sich immer noch in Schweigen. Dagegen begrüßte Nicolas de Tavernost, Chef der rentablen Bertelsmann-Tochter M6, die Pläne als sinnvolle „Klärung“. „Dem Fernsehen geht es generell in jenen Ländern besser, wo es wenig Werbung auf den öffentlich-rechtlichen Kanälen gibt“, sagte Tavernost.

