Privatsender
Länder erlauben TV-Schleichwerbung

Privatsendern werden künftig Produktplatzierungen erlaubt. Die früher als Schleichwerbung geltende Reklame für Produkte in Filmen und Serien wird im Frühsommer abgeschafft. Darauf haben sich die Ministerpräsidenten der Länder geeinigt. Über die damit verbundene Kennzeichnungspflicht sind die Sender aber alles andere als erfreut.
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DÜSSELDORF. „Durch die Erlaubnis zur Produktionplatzierung erhalten die Privatsender eine zusätzliche Einnahmemöglichkeit“, sagte Martin Stadelmaier, Chef der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz und damit enger Vertrauter von Ministerpräsident Kurt Beck (SPD), dem Vorsitzenden der Rundfunkkommission der Länder, dem Handelsblatt. „Dieser Kompromiss ist unter dem Eindruck des rückläufigen Werbemarktes entstanden“, sagte Stadelmaier zur Begründung. Die Privatsender sind im Gegenzug verpflichtet, künftig im Vor- und Nachspann des Films oder der Serie den Zuschauer auf mögliche Produktionplatzierung hinzuweisen.

Über die Kennzeichnungspflicht sind die Privatsender alles andere als glücklich. „Sie ist schlichtweg praxisfern“, sagte ein Sprecher von Pro Sieben Sat 1. Auch RTL kritisiert die Regelung, die auch in Hollywood eingekaufte Filme betrifft. „Wir kennen doch nicht sämtliche Verträge der Studios mit möglichen Sponsoren“, sagte ein RTL-Sprecher. Grundsätzlich halte die Bertelsmann-Tochter aber jede Form von Werbederegulierung für wünschenswert. Die Entscheidung künftig Produktplatzierungen zu erlauben, ist ein Meilenstein für die Fernsehindustrie. Denn so werden Kooperationen zum Beispiel mit Markenartiklern möglich, die bislang verboten waren. Gerade Konsumgüterhersteller oder die Automobilindustrie setzen zunehmend auf neue Werbeformen abseits des traditionellen Werbespots.

Die neue Regelung soll laut Stadelmaier zum 1. Mai oder 1. Juni in Kraft treten. Die Änderung des 13. Rundfunkstaatsvertrages muss vorher von den 16 Landesparlamenten verabschiedet werden.

Eine Entscheidung über die Abschaffung der GEZ-Gebühr haben die Ministerpräsidenten unterdessen auf Sommer 2010 verschoben. „Es gibt noch keine Vorentscheidung“, sagte Stadelmaier. Derzeit streiten die Länderchefs über eine Haushalts- und Betriebsstättenabgabe oder eine Reform der Gerätegebühr. „In dieser Frage steckt noch viel Arbeit“, sagte Stadelmaier. Bayerns Staatskanzlei-Chef Siegfried Schneider (CSU) sprach sich für eine Haushaltsgebühr aus. Ob diese verfassungsrechtlich möglich ist, wird nun von Experten geprüft. Die Privaten kritisieren das Ungleichgewicht am deutschen Fernsehmarkt. „Wir wollen endlich – und um so dringlicher in Zeiten einer Wirtschaftskrise – faire Wettbewerbsbedingungen“, sagte ein RTL-Sprecher.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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