Pro Sieben Sat 1
Aktionäre sind nur Zuschauer

Es hat schon Tradition im Münchener Medien-Vorort Unterföhring: Die beste Unterhaltung bieten nicht die Fernsehprogramme, die dort ausgestrahlt werden. Es sind die Unternehmen selbst, denen die Kanäle gehören. Die sorgen für die spannendsten Geschichten: Gerade rüstet sich Deutschlands größte Senderkette für eine Übernahme.

MÜNCHEN. Pro Sieben Sat 1 will die Luxemburger Medienholding SBS übernehmen. Eine gute Idee, denn die bislang auf den deutschsprachigen Raum fokussierte Gruppe wird damit zu einem europaweiten Sender. Doch die Sache hat einen Haken: SBS gehört den gleichen Investoren, die sich jüngst die Mehrheit an Pro Sieben Sat 1 gesichert haben. Im Klartext: Verkäufer und Käufer sind identisch. Das wäre nicht weiter tragisch, wenn Pro Sieben Sat 1 nicht noch freie Aktionäre hätte. Die müssen aufpassen, um nicht über den Tisch gezogen zu werden.

Pro Sieben Sat 1 gehört seit einigen Wochen den Finanzinvestoren Permira und KKR. Diese halten 88 Prozent der Stammaktien und haben damit das Sagen. Die restlichen 12 Prozent der Stimmrechte liegen beim Springer-Verlag.

Gleichzeitig gehört den Private-Equitiy-Häusern mehrheitlich SBS mit rund 50 TV-Stationen und Radiosendern in den Benelux-Ländern, in Skandinavien und in Osteuropa. Diese beiden Unternehmen wollen KKR und Permira jetzt zusammenlegen und unter dem Dach von Pro Sieben Sat 1 in Unterföhring führen.

So weit, so gut. Doch wie viel soll Pro Sieben Sat 1 für SBS zahlen? Pro-Sieben-Chef Guillaume de Posch verspricht, dass der Wert fair ermittelt werde. Dafür hat er Investmentbanker und Wirtschaftsprüfer engagiert. Darüber hinaus sollen Aufsichtsräte seines Unternehmens, die nicht KKR und Permira zuzuordnen sind, überwachen, dass alles mit rechten Dingen zugeht.

Die freien Aktionäre sind bei all dem nur Zuschauer. Auch das hat Tradition bei Pro Sieben Sat 1. Denn von Anfang an waren dem breiten Publikum nur die stimmrechtslosen Vorzugsaktien zugänglich. Das Sagen hatten immer schon die Großaktionäre: Zunächst Leo Kirch, später US-Milliardär Haim Saban und nun eben zwei Finanzinvestoren. Im Grunde sind die Anleger nicht einmal schlecht gefahren: Vor drei Jahren lag der Aktienkurs unter 15 Euro. Zuletzt erreichte die im MDax notierte Aktie kurzzeitig fast 28 Euro. Jetzt bleibt den Kleinaktionären erneut nichts anderes übrig, als auf das Geschick der neuen Eigner zu hoffen – oder ihre Aktien zu verkaufen.

Sicher: Wer an der Bewertung von SBS zweifelt, der kann vor Gericht ziehen. Die Aktionäre können aber auch darauf setzen, dass mit der Übernahme von SBS durch die Münchener ein schlagkräftiger europäischer Medienkonzern entsteht, der eines Tages an der Börse deutlich mehr wert ist als Pro Sieben Sat 1 heute. Das Unternehmen könnte etwa von Synergien in der Verwaltung profitieren, oder aber von gemeinsam entwickelten Sendeformaten und einem Mengenrabatt im Rechte-Einkauf.

Spannend werden die nächsten Monate für Pro Sieben Sat 1 und seine Aktionäre allemal. Wenn die Bewertung erst einmal festliegt, steht mit der Integration von SBS eine Aufgabe bevor, die das Management über Monate beschäftigen wird.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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