Pro Sieben Sat 1

Sexspielzeug, Parfüm und Parship sorgen für Schwung

Pro Sieben Sat 1 hat im abgelaufenen Quartal bei Umsatz und Gewinn kräftig zugelegt und die Erwartungen am Markt übertroffen. Das lag aber weniger am TV-Geschäft – der Onlinehandel dagegen floriert.
Update: 03.08.2017 - 09:04 Uhr Kommentieren
Der Medienkonzern hat Umsatz und Gewinn im zweiten Quartal stärker gesteigert als von Branchenexperten erwartet. Quelle: dpa
Pro Sieben Sat 1

Der Medienkonzern hat Umsatz und Gewinn im zweiten Quartal stärker gesteigert als von Branchenexperten erwartet.

(Foto: dpa)

MünchenFlorierende Geschäfte mit Sexspielzeug, Parfüm und Partnervermittlung helfen dem Medienkonzern Pro Sieben Sat 1 über die Wachstumsschwäche seiner TV-Sender hinweg. Die Internet-Kontaktbörsen Parship und Elitepartner, der Online-Kosmetikhändler Flaconi und der Erotikartikel-Shop Amorelie bescherten dem Unternehmen im zweiten Quartal ein unerwartet kräftiges Gewinnwachstum. Das Betriebsergebnis legte um sechs Prozent auf 270 Millionen Euro zu, wie Pro Sieben Sat 1 am Donnerstag mitteilte. Branchenexperten hatten lediglich 264 Millionen Euro erwartet.

Wachstumstreiber des Konzerns war erneut das Segment für Online-Handel, zu dem neben Parship, Flaconi und Amorelie auch das Tarifvergleichsportal Verivox und Reise-Portale zählen. Der Spartengewinn schoss um 58 Prozent auf 45 Millionen Euro in die Höhe. Der Spartenumsatz kletterte um 45 Prozent auf 229 Millionen Euro. Vor allem deswegen legten die Konzernerlöse um neun Prozent auf 962 Milliarden Euro zu und übertrafen damit ebenfalls die Markterwartungen.

Die Fernsehsparte litt unter rückläufigen Werbeeinnahmen, die vier Prozent niedriger ausfielen als ein Jahr zuvor. Der Spartenumsatz stagnierte bei 562 Millionen Euro. Nur weil Pro Sieben Sat 1 die laufenden Kosten begrenzte, konnte das TV-Segment seinen Gewinn trotzdem um vier Prozent auf 208 Millionen Euro steigern.

Die Entwicklung des TV-Werbemarkts beurteilt Pro Sieben Sat 1 nun noch verhaltener als bisher. Bereits im Mai hatte Vorstandschef Thomas Ebeling zur Enttäuschung der Anleger seine Erwartungen an das Marktwachstum im laufenden Jahr von zunächst zwei bis drei Prozent auf 1,5 bis 2,5 Prozent zurückgeschraubt. Zwar bestätigte Pro Sieben Sat 1 am Donnerstag diese Prognose, fügte nun aber hinzu, wahrscheinlicher sei ein Wachstum am unteren Ende dieser Spanne.

Das sind die beliebtesten Streamingdienste der Deutschen
Die großen Anbieter
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Amazon Prime oder Netflix sind wohl mit die bekanntesten Anbieter von Video-on-Demand (VoD, Video auf Abruf). Und die entwickeln sich prächtig – zeigt eine Erhebung des Online-Portals „Netzsieger“. Machten die Anbieter 2016 einen Umsatz von 801 Millionen Euro, soll der 2017 noch einmal weiter wachsen: Auf bis zu 945 Millionen Euro. Wer davon am meisten profitiert.

Quelle: Netzsieger

Platz 9: Select Video
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Das Video-on-Demand-Angebot der Vodafone-Tochter Kabel Deutschland liegt auf einem geteilten neunten Platz im Ranking. Der Zugang zum Dienst ist speziell auf Kunden von Vodafone Kabel Deutschland zugeschnitten, die kriegen den Zugang zum Portal bei Vertragsabschluss gratis oben drauf. Ähnlich wie beim ungleich erfolgreicheren Amazon Prime gibt es in der digitalen Videothek dann sowohl kostenfreie als auch -pflichtige Angebote. Bisher schafft es der Netzanbieter aber nur auf zwei Prozent Marktanteil.

Platz 9: Unitymedia
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Auch den anderen neunten Platz nimmt ein Kabelnetzbetreiber ein. VoD-Optionen bietet Unitymedia dabei sowohl über die Unitymedia Videothek, als auch über Kooperationen mit dem Pay-TV-Sender Sky und der Video-Plattform Maxdome an. Der Marktanteil: Ebenfalls zwei Prozent.

Platz 7: Watchever
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Gute Kritiken, ein breites Offline-Programm, Werbung bei „Bild“ und mit Til Schweiger: All das konnte Watchever, dem VoD-Dienst des größten französischen Medienkonzerns Vivendi, nicht retten. Ende 2016 wurde der hoch-defizitäre Dienst, der nur auf drei Prozent Marktanteil kam, eingestellt. Auch zu den angekündigten Eigenproduktionen für das Portal kam es nie.

Platz 7: Videoload
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Ebenfalls auf gerade einmal drei Prozent Marktanteil kommt Videoload – dabei ist das wenig bekannte Portal immerhin das VoD-Angebot der Deutschen Telekom. Das exklusiv in Deutschland verfügbare Angebot arbeitet anders als viele Konkurrenten ohne Abo-Funktion, stattdessen können über das Portal Serien und Filme geliehen oder gekauft werden.

Platz 6: iTunes
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iTunes gehört mit rund acht Prozent Marktanteil zu den beliebtesten VoD-Anbietern Deutschlands – der Apple-Dienst landet damit auf Platz sechs. Auf der Plattform können Filme sowohl gekauft, als auch ausgeliehen werden. Auch Serien bietet iTunes seinen Nutzern an.

Platz 5: Google Play
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Auch Tech-Gigant Alphabet bietet eine eigene Plattform für Medieninhalte: Mit zehn Prozent Marktanteil landet der Google-Dienst auf Platz 5. Zu den Verlierern des Erfolgs der Anbieter von Video-on-Demand gehören vor allem Deutschlands Videotheken: Laut Netzsieger gab es hierzulande 2016 gerade einmal noch 933 Videotheken. Auch die Kinobesucher würden weniger: So reduzierte sich die Zahl der verkauften Kinotickets von 2003 bis 2016 um 32 Millionen.

Um die Abhängigkeit von TV-Werbung zu verringern, baut Pro Sieben Sat 1 seit Jahren sein Online-Geschäft aus. Im ersten Halbjahr erwirtschaftete der Konzern die Hälfte seiner Erlöse aus anderen Quellen. Unter anderem deswegen zeigte sich Pro Sieben Sat 1 nun zuversichtlich, seine Wachstumsziele zu erreichen.

  • rtr
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