Pro Sieben Sat 1-Übernahme: Springer gibt Kartellstreit verloren

Pro Sieben Sat 1-Übernahme
Springer gibt Kartellstreit verloren

Das Kartellamt lehnt die Übernahme der Pro Sieben Sat 1 weiter ab. Nun prüft Axel Springer den Rückzug.

DÜSSELDORF. Der Zeitungskonzern Axel Springer rechnet bei der geplanten Übernahme des TV-Senders Pro Sieben Sat 1 mit einer endgültigen Ablehnung des Bundeskartellamtes. „Wir geben das Kartellverfahren verloren“, hieß es gestern beim „Bild“- Konzern. Die Bonner Wettbewerbshüter hatten in einem Zwischenbescheid vom Freitag den von Springer vorgeschlagenen Kompromiss als nicht ausreichend gewertet, um die drei Milliarden Euro teure Übernahme zu genehmigen. „Da die Anmelderin die Veräußerung der Bild-Zeitung oder eine Änderung des Zusammenschlusses (Verzicht auf Sat 1 oder Pro Sieben) bereits ausgeschlossen haben, sieht die Beschlussabteilung nach derzeitigem Kenntnisstand keine Möglichkeit, eine Untersagung abzuwenden“, heißt es in dem Schreiben des Kartellamts an Springer, das dem Handelsblatt vorliegt.

Springer hatte bisher nur angeboten, sich von den gemeinsam mit dem Medienkonzern Bertelsmann betriebenen Unternehmen wie dem Druckkonzern Prinovis oder den gemeinsamen Radios zu trennen. Außerdem war der Berliner Zeitungskonzern zu Auflagen bei der Sendelizenz für den Fernsehsender Sat 1 bereit. Diese Vorschläge reichen Kartellamtschef Ulf Böge und seinem einflussreichen Mitarbeiter Klaus Paetow aber nicht aus.

Springer hat nun bis Donnerstag Zeit, neue Vorschläge zu machen. Große Überraschung wird es von Springer-Chef Mathias Döpfner voraussichtlich nicht mehr geben. „Es sieht nach einer Sackgasse aus“, hieß es in seiner Umgebung. Eine endgültige Entscheidung fällt das Kartellamt bis zum 20. Januar.

Springer erwägt angesichts des Vetos des Kartellamts, sich von der seit Sommer geplanten Übernahme der Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 komplett zurückzuziehen. „Die Chancen stehen derzeit 60 Prozent für einen Rückzug und 40 Prozent für eine Fortsetzung“, hieß es gestern in der Umgebung von Vorstandschef Döpfner. Im Vordergrund steht für Europas größten Printkonzern offenbar die Begrenzung des Risikos. „Bisher ist den Aktionären noch kein Schaden entstanden“, hieß es bei Springer. „Von der Kaufsumme ist noch kein Cent geflossen.“ Der Zeitungskonzern gehört mehrheitlich der Verlegerwitwe Friede Springer. Im Falle eines Scheiterns müssen die Saban Group und die Finanzinvestoren wie Hellman & Friedman oder Providence die Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 wieder zurücknehmen. Der US-Medienmilliardär Haim Saban hatte beim Verkauf im August 2005 das Kartellrisiko übernommen.

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