Pro Sieben Sat 1
Was macht eigentlich ... Haim Saban?

Die Medienwächter von der KEK stehen dem Kauf von Pro Sieben Sat 1 an den Axel-Springer-Verlag ablehnend gegenüber. Im schlimmsten Fall fiele die Senderkette wieder an den US-Investor Haim Saban zurück. Der schaut sich schonmal nach alternativen Käufern um.

HB MÜNCHEN. Im Poker um Deutschlands größten TV-Konzern ist der US-Milliardär Saban zum Abwarten verdammt. Sollte der Verkauf an den Springer-Konzern tatsächlich am Widerstand der Kartell- und Medienwächter scheitern, müsste sich die Investorengruppe um Saban nach einem neuen Käufer umsehen. „Ein Saban hat immer noch ein Ass im Ärmel“, warnte ein Branchenkenner allerdings vor falscher Sorge.

Springer-Chef Mathias Döpfner baute am Dienstag angesichts der ablehnenden Haltung bei der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich und des Kartellamts schon einmal vor. Wenn die Übernahme scheitere, liege die Zukunft des Medienhauses eben in den digitalen Märkten und im Ausland, sagte er beim Neujahrsempfang seines Verlags. Für Saban allerdings wäre dies ein herber Rückschlag. Denn bei einem Verkauf an Springer kann er seinen Einsatz in etwa verdreifachen.

Diesen satten Gewinn hat sich Saban nach eigener Einschätzung durchaus verdient. „Ich war der letzte Aufrechte, als alle anderen davon liefen“, sagte der US-Unternehmer einmal. Als Saban und seine Finanzinvestoren im Sommer 2003 den TV-Konzern übernahmen, war die Fernsehwerbe-Branche auf dem Tiefpunkt. Der Bauer-Verlag hatte die geplante Übernahme von Pro Sieben Sat 1 in letzter Minute doch lieber abgesagt, auch Springer wagte die Großakquisition damals nicht. Mit dem Kauf bewies Saban wieder einmal ein gutes Gespür für das richtige Timing. Die Werbebranche hat sich inzwischen erholt, der Pro-Sieben-Sat-1-Aktienkurs sich verdreifacht.

Ob ein anderer Käufer den Springer-Preis zahlen wird, bleibt dennoch abzuwarten. „Mit mehr als 4 Mrd. Euro hatte damals niemand gerechnet“, sagte ein Pro-Sieben-Sat-1-Manager. In Branchenkreisen wird davon ausgegangen, dass Saban den Markt bereits sondiert. „Er redet mit den Großen in Frankreich und den USA“, sagt ein Experte. In erster Linie wird dabei der französische Sender TF1 genannt, bei dem Saban im Aufsichtsrat sitzt. Die Franzosen wollten schon im Juni 2003 10 Prozent an der deutschen Senderkette übernehmen. Damals wollte TF1 angeblich 100 bis 150 Mill. Euro dafür bezahlen. Mit einer solchen Bewertung würde sich Saban heute keinesfalls mehr zufrieden geben.

Noch aber hat sich Springer nicht zurückgezogen. Am Freitag treffen sich die Direktoren der Landesmedienanstalten, die das KEK- Veto mit Drei-Viertel-Mehrheit überstimmen könnten. Am 20. Januar will dann das Bundeskartellamt entscheiden, das bereits schwere Bedenken signalisiert hat. Wenn Springer nicht noch tief greifende Zugeständnisse macht, einen Partner findet oder eine Ministererlaubnis bekommt, würde Pro SiebenSat 1 bei einem Kartell-Veto an die US-Investoren zurückfallen. Dann wäre Saban wieder am Zug. „Ich bin gespannt, welches weiße Kaninchen er dann aus dem Hut zaubert“, sagt ein Branchenexperte.

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