Probleme bei Milliarden-Zukauf: Google stoppt Verkauf von Nest-Rauchmeldern

Probleme bei Milliarden-Zukauf
Google stoppt Verkauf von Nest-Rauchmeldern

Ärger um Google-Tochter Nest: Das Start-Up stoppt vorübergehend den Verkauf seiner Feuermelder wegen einer möglichen Fehlfunktion. Der Rückruf kommt kurz nach einer Verbraucher-Sammelklage gegen Nest in Kalifornien.
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San FranciscoDer Ärger reißt nicht ab: Google-Tochter Nest hat nach eigenen Angaben vorübergehend den Verkauf seiner Rauchmelder eingestellt. Das Start-Up war erst kurz zuvor für 3,2 Milliarden Dollar übernommen worden. Der Grund für den Verkaufsstopp ist eine potenzielle Fehlfunktion, die verhindern könnte, dass der Feuermelder in einem Brandfall tatsächlich Alarm schlägt. Das scheint in der Tat Grund genug für einen „Rückruf“.

In einem Blogeintrag fordert Nest-Chef Tony Fadell alle Käufer des 130 Dollar teuren Geräts auf, den Feuer- und Kohlenmonxyd-Alarm sofort per WiFi mit dem Internet zu verbinden. Durch ein Per Software-Update wird dann eine kritische Software-Funktion deaktiviert. Wer keinen Internetzugang hat, wird aufgefordert das Gerät außer Betrieb zu setzen und zurückzugeben. Der Kaufpreis werde jedem, der den Melder zurückgeben wolle, vollständig erstattet.

Seit Oktober 2013 wurden laut Nest „zehntausende“ der Geräte zum Preis von 130 Dollar abgesetzt. Der Verkauf wird gestoppt, bis in voraussichtlich zwei bis drei Monaten der Fehler behoben sein soll.
Als Problem hat sich die „Wave“-Funktion herausgestellt, die es erlaubt mit einer Handbewegung einen Melder bei einem Fehlalarm auszuschalten. So etwas passiert gar nicht so selten, wie der Autor aus eigener Erfahrung weiß. Zum Beispiel, wenn in der Küche „zu viel“ gekocht oder gebraten wird. Dann muss man auf einen Stuhl klettern und das ohrenbetäubende Gepiepe manuell beenden. „Wave“ wäre eine praktische Hilfe, leider scheint es sich laut Nest „bei bestimmten Konstellationen“ aber selbsttätig zu aktivieren. Dann wird im Ernstfall ein Alarm verzögert oder sogar verhindert.

Das Ganze kommt nur Wochen nach einer Sammelklage von Verbrauchern gegen Nest in Kalifornien. Der Klage zufolge sei das oft als revolutionär angepriesene Thermostat nicht in der Lage die „einfachsten Basisfunktionen auszuführen“, wie etwa die genaue Temperatur anzuzeigen. Es sehe einfach nur „cool“ aus. Entgegen der vollmundigen Marketingversprechungen des Start-Ups aus Palo Alto ermögliche Nests Gerät nicht, Energie und damit Geld zu sparen. Das alles sei nur in die Welt gesetzt worden, um Leute wie ihn, den Kläger Justin Darisse, dazu zu bewegen mit knapp 250 Dollar substanziell mehr für das Smartphone-kontrollierte Gerät zu bezahlen als für ein normales Thermostat.

Der Kauf von Nest war für Google im Januar ein wichtiger Schritt, um weiter in den Bereich des „connected home“, des vernetzten Hauses vorzudringen. Mit den Thermostaten und Rauchmeldern bekommt Google in Zukunft zusätzliche wichtige Informationen über seine Nutzer, die über den rein digitalen Bereich hinausgehen. Mit Produkten wie Nest oder der Datenbrille Google Glass dringt der weltgrößte Digitalkonzern stärker in das reale Leben seiner Nutzer ein.

Nest ist der zweite ernsthafte Vorstoß Googles in den Hardware-Bereich. Der erste Ausflug, der Kauf des Smartphone-Herstellers Motorola Mobility für über zwölf Milliarden Dollar, wurde wegen Erfolglosigkeit mittlerweile wieder beendet, Motorola Mobility verkauft.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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