"Probleme werden überdeckt"
Telekom-Chef verteidigt Personalabbau

Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke hat den geplanten Abbau von 32 000 Arbeitsplätzen verteidigt. „Wir müssen das Unternehmen sehr viel flexibler machen“, sagte Ricke der Tageszeitung „Die Welt“.

dpa HAMBURG/BONN. Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke hat sich unnachgiebig bei der geplanten Streichung von 32 000 Arbeitsplätzen gezeigt. „An den Zahlen zum Stellenabbau ist nicht zu rütteln“, sagte Ricke der Tageszeitung „Die Welt“.

In diesem Jahr werde die Deutsche Telekom zwar ein sehr gutes Ergebnis erzielen, doch müsse der Konzern die Kostenstrukturen stark verbessern. „Viele unserer Probleme werden zur Zeit noch überdeckt“, sagte Ricke. „Aber wenn wir sie heute nicht lösen, können sie uns morgen schon umbringen.“

Der Abbau in den kommenden drei Jahren soll ohne betriebsbedingte Kündigungen verlaufen. Die Telekom werde Abfindungen, Altersteilzeit und eine Vorruhestandsregelung einsetzen, kündigte Ricke an. Zugleich sollen 6 000 neue Mitarbeiter eingestellt werden. Die Gewerkschaft ver.di hatte Widerstand gegen die Abbaupläne angekündigt.

Die Telekom steht unter wachsendem Druck der Wettbewerber. Vor allem in der Festnetzsparte - die auch am schwersten von dem Stellenabbau betroffen ist - schwinden die Umsätze. Auch im zukunftsträchtigen Geschäft mit DSL-Anschlüssen legen die kleineren Konkurrenten zu. „Wir verlieren derzeit allein 100 000 Kundenanschlüsse an die Konkurrenz“, sagte Ricke der „Welt“.

Zuvor hat der Konzern angekündigt, unter dem wachsenden Wettbewerbsdruck 32 000 Arbeitsplätze zu streichen. Der Abbau trifft in den nächsten drei Jahren vor allem die schrumpfende Festnetzsparte T-Com. Betriebsbedingte Kündigungen werde es dabei bis Ende 2008 nicht geben, betonte die Telekom am Mittwoch.

Zugleich sollen 6 000 neue Mitarbeiter eingestellt werden, unter anderem im Vertrieb. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di sprach von „Horrorzahlen“ und kündigte Widerstand an.

Neben der T-Com ist auch die Geschäftskundensparte T-Systems betroffen. Das Sparprogramm soll 3,3 Mrd. Euro kosten. In den vergangenen zehn Jahren hat die Telekom bereits 100 000 Stellen abgebaut. Sollte das geplante Hochgeschwindigkeits-Internetnetz am Regulierer scheitern, könnten nochmal 5 000 Stellen wegfallen, warnte der Konzern. Die Telekom beschäftigte zuletzt fast 250 000 Menschen, davon 170 000 in Deutschland. Knapp 47 000 sind Beamte, die vom Staatsunternehmen Deutsche Bundespost übernommen worden waren.

Von dem geplanten Stellenabbau sollen die verbeamteten Mitarbeiter nicht ausgenommen werden. „Mit Blick auf Beamte sind Gespräche mit dem Bund hinsichtlich einer Vorruhestandsregelung notwendig“, sagte Personalvorstand Heinz Klinkhammer. Mit der neuen Bundesregierung sollten Gespräche darüber aufgenommen werden. Laut unbestätigten Medienberichten sollen bis Ende des Jahrzehnts 20 000 Beamte die Telekom verlassen.

Die Telekom begründete den Abbau mit dem technologischen Wandel und dem harten Wettbewerb im deutschen Festnetz- und Breitbandmarkt. Der gesamte Konzern stehe vor „verschärften“ Herausforderungen, sagte Vorstandschef Kai-Uwe Ricke. Er hatte bereits vor Monaten gewarnt, dass unter anderem durch die Einführung der Internet-Telefonie branchenweit Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet seien.

Der stellvertretende Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Franz Treml, kündigte Widerstand gegen den Stellenabbau an. „Wir stehen den vorgelegten Plänen ablehnend gegenüber und werden in den weiteren Gesprächen jede einzelne Maßnahme hinterfragen.“ Der Telekom gehe es glänzend, wie auch der Rekordüberschuss und die hohe Dividende verdeutlichten. Im ersten Halbjahr 2005 hatte die Telekom den Überschuss um 61,5 Prozent auf 1,95 Mrd. Euro gesteigert.

Im vergangenen Jahr hatte die Telekom 57,9 Mrd. Euro umgesetzt und dabei 4,6 Mrd. Euro verdient. 2005 sollen Umsatz und Gewinn steigen.

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