Produktionen
Hollywood sucht sein Heil in Übersee

Die Filmfabrik internationalisiert sich. Medienkonzerne wie Disney treiben Fernsehproduktionen außerhalb des US-Heimatmarktes voran. Studios produzieren verstärkt in Europa, Asien und Lateinamerika. Doch das ist rsikant.
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Los AngelesHollywood war sich über viele Jahrzehnte selbst genug. Die Traumfabrik produzierte Serien und Filme für die großen amerikanischen Senderketten und der Rest der Welt kaufte die Produktionen liebend gerne ein. Schließlich war der Hunger nach neuen Programme in der boomenden Fernsehindustrie groß. Doch diese Zeiten gehen zu Ende. Medienkonzerne wie News Corp., zu dem das Hollywood-Studio 20th Century Fox („Avatar“) gehört, suchen ihr Heil in der Produktion von Serien und Filmen vor Ort in Europa, Asien und Lateinamerika. „Es ist keine Frage: die lokalen Produktionen werden für uns immer wichtiger“, sagte Mark Kaner, Weltvertriebschef der 20th Century Fox, dem Handelsblatt in Los Angeles. „Unser wichtigster Konkurrent heißt nicht Warner Bros., sondern die lokale Programme überall auf der Welt.“ Warner Bros. („Harry Potter“, „Herr der Ringe“), eine Tochter des Medienriesen Time Warner, ist das Hollywood-Studio mit der größten Zahl von Filmen und Serien.

Auch andere Konzerne wie Disney („Fluch der Karibik“, „Desperate Housewives“) haben erkannt, dass sie allein mit amerikanischen Produktionen nicht allen Fernsehmärkten gerecht werden können. Vor wenigen Tagen schloss der Mickey-Maus-Konzern mit der indischen UTV Motion Pictures eine weitreichende Allianz. Disney und der börsennotierte Produzent aus Mumbai wollen gemeinsame Familienfilme für den großen, aber komplizierten indischen Fernsehmarkt produzieren.  „Das kombinierte Angebot von UTV- und Disney-Inhalten werden den Indern eine unglaublich breites Angebot von Filmen in verschiedenen Sprachen und Genres anbieten“, sagte UTV-Chairman Ronnie Srewvala bei der Vertragsunterzeichnung. Die neue Partnerschaft zwischen Hollywood und Bollywood ist nicht ganz überraschend. Schließlich hatte sich Disney bereits vor zwei Jahren für 230 Millionen Dollar an der indischen Konzernmutter UTV Software Communications beteiligt.

„Die Bedeutung der amerikanischen Produktionen wird weniger. Als ich vor über 30 Jahren im Fernsehgeschäft anfing, gab es fast nur US-Ware“, erinnert sich Fox-Manager Mark Kaner, der seit Jahrzehnten im internationalen Film- und Fernsehgeschäft eine Schlüsselrolle spielt. Auf die veränderten Erwartungen reagiert das Hollywood-Studio des Medien-Tycoons Rupert Murdoch auf zweierlei Weise. Zum einen werden die US-Produktionen noch stärker internationalisiert. „Wir achten schon bei der Drehbuchentwicklung sehr darauf, dass unsere Geschichten mit einem globalen Inhalt erzählt werden“, sagt Kaner. Das erhöht schließlich die Vertriebschancen weltweit. Zum anderen werden die Produktionen in wichtigen, wachstumsstarken Fernsehmärkten kontinuierlich ausgebaut. So produziert Fox beispielsweise in Russland erfolgreich eine russische Version der in Amerika populären Sitcom „How I met your mother“. Laut Kaner lässt sich Fox auch von kleineren Fernsehmärkten inspirieren. Beispielsweise produzierte das Studio ein teures Remake der dänischen Serie „Forbrydelsen“ („Das Verbrechen“), das international für Aufsehen sorgte und im ZDF zu sehen war. Die Fox-Serie unter dem Titel „The Killing“ wird derzeit weltweit verkauft.

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  • Neu ist der Trend nun wirklich nicht. Die Studios beobachten schon seit den 80er Jahren die Entwicklung der lokalen Kino- und TV-Märkte. Einst waren Auslandsverkäufe schöne Zusatzverdienste, dann wurden sie mit gestiegenen Produktions- und Vermarktungskosten immer wichtiger, was auch dazu geführt hat, sich in den lokalen Märkten stärker zu engagieren. Einerseits, weil die Märkte nach lokalem Produkt verlangen, andererseits um in diesen Märkten von Förderungen zu partizipieren. Bereits in den 50er und 60er Jahren gab es durch günstige Kostenstrukturen zahlreiche US-Produktionen in Deutschland.
    Das Risiko besteht vor allem darin, wenn Studios aus der US-Sicht heraus auf fremde nationale Märkte drängen, ohne deren Besonderheiten zu berücksichtigen.

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