Produktvorstellung
Apple bleibt der Luxusklasse treu

Am Dienstag stellte der Mulitmedia-Riese Apple seine überarbeitete Produktreihe eigener Notebooks vor. Allein die Ankündigung wurde vorab an den Börsen gefeiert. Doch im Reich des Steve Jobs ist längst nicht alles in bester Ordnung. Zum Weihnachtsgeschäft folgt nun die Offensive – mit Glas und Aluminium statt günstigen Einstiegsmodellen.

DÜSSELDORF. Gelungene Detailpflege, aber keinen großen Wurf zeigte gestern Apple-Chef Steve Jobs: Ein neues Profi-Notebook und einen 24-Zoll-Bildschirm, das schlanke MacBook Air bekommt eine größere Festplatte, und für die runderneuerten Privatkundenmodelle MacBook sinkt der Einstiegspreis von 1099 auf 999 Dollar – allerdings gibt es dann nur ein weißes Plastikgehäuse. Die Wall Street zeigte sich enttäuscht, die Aktie verlor während der Produktvorstellung kontinuierlich an Boden. Da konnte es auch nicht mehr helfen, dass Jobs am Ende seiner Präsentation noch seine Blutdruckwerte auf die Leinwand projizierte, um jede Diskussion über seinen Gesundheitszustand im Keim zu ersticken: 110/70. Das, unkten Beobachter, ist hoffentlich nicht identisch mit Hoch und Tief des künftigen Apple-Kurses.

Weder der Einstieg in das TV-Geschäft, noch die erwartete Antwort auf die billigen 400-Dollar-Netbooks der Konkurrenz präsentierte Firmenchef Jobs gestern in Cupertino am Firmensitz von Apple. Dafür geht es mit überarbeiteten MacBooks und einem verbesserten MacBook Pro in die Weihnachtssaison.

Die Laptops werden Aluminiumschalen aus einen Stück haben, was sie verwindungssteifer machen soll. Außerdem wird ein neuer Grafikchipsatz von Nvidia namens GeForce 9 400M Einzug halten. Laut Jobs ist der bis zu fünfmal so schnell wie die bisherige integrierte Lösung von Intel. Dazu gibt es einen zweiten Grafikchip, der sich auf Kosten der Akkulaufzeit als Turbo zuschalten lässt. Der 9400-Chip alleine, ohne Turbo, soll die Batterielaufzeit um bis zu eine Stunde gegenüber dem Vorgänger verlängern.

MacBook und MacBook Pro 15-Zoll bekommen ein Trackpad aus Glas und damit fast 40 Prozent mehr Arbeitsfläche als bisher. Es macht Multi-Touch-Fingerbewegungen laut Jobs einfacher und erleichtert die Bedienung durch Bewegungen wie auf- und zuziehen, drehen und streichen. Mit neuen Fingerbewegungen kann nun das Programm Exposé geöffnet oder zwischen einzelnen Applikationen hin und her gewechselt werden.

Die gesamte Oberfläche des Trackpads ist dabei auch ein Knopf, der es dem Nutzer erlaubt, sowohl den Cursor zu bewegen als auch zu klicken – und das auf der gesamten Fläche des Trackpads. Virtuelle Knöpfe, wie zum Beispiel den Rechtsklick, lassen sich über Software aktivieren.

Die Displays werden eine energieeffizientere LED-Hintergrundbeleuchtung bekommen. Das Einstiegsmodell der Pro-Serie mit 15-Zoll-Bildschirm wird für Europa mit 1 799 Euro angegeben.

Tragbare Computer sind von entscheidender Bedeutung für Apple. 2008 werden weltweit mehr Laptops als Tisch-PCs verkauft werden, und Apple konnte seinen Marktanteil deutlich steigern. Mit 1,5 Mio. Laptops wurden im abgelaufenen Quartal mehr verkauft als von Desktop-Macs (0,94 Mio.), und der Umsatz von 2,2 Mrd. Dollar schlug den mit Schreibtischrechnern (1,4 Mrd. Dollar) um Längen. Jetzt geht es darum, den Vorsprung zu halten.

Die größte offene Flanke bleibt nun das Billigsegment: Anders als beim iPod mit dem Modell Shuffle gibt es keine richtig günstigen Einsteigermodelle bei den Laptops. Auf dem günstigsten Preisschild standen in den USA stolze 1 099 Dollar, mehr als das Doppelte der günstigsten Windows-Alternativen. Jetzt sind es nur 100 Dollar weniger.

Netbooks – auf Internetnutzung spezialisierte mobile PCs mit rund 1 000 Gramm Gewicht – in der Preisklasse um 400 Dollar sind derzeit die Renner bei den Verbrauchern. Große Anbieter sind hier Acer und Asus.

Vor allem Acer wird Apple gefährlich. Der taiwanische Fertiger legte im deutschen Markt im zweiten Quartal zum Beispiel ein Wachstum in Höhe von 45,4 Prozent im Laptopmarkt hin, der Gesamtmarkt wuchs nur um 22,4 Prozent. Laut Gartner-Analystin Meike Escherich war Acer einer der wenigen Hersteller, die Mini-Notebooks in großen Stückzahlen liefern konnten, was den enormen Erfolg erst ermöglichte.

Am Montag hatte die Apple-Aktie im starken Börsenumfeld noch mit 13,9 Prozent auf über 110 Dollar den höchsten Tagesgewinn ihrer Geschichte erzielt. Zuvor hatte Sanford C. Bernstein, ein profiliertes Analysehaus für Tech-Stocks, die Aktie auf „Outperform“, also überdurchschnittlichen Gewinner, heraufgestuft. Allerdings wurde gleichzeitig das Kursziel für die Aktie von 175 auf 135 Dollar nach unten angepasst.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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