Produzenten werben für steuerbegünstigte Fonds – Runder Tisch mit Kanzler Schröder am Mittwoch: Mehr Geld für deutschen Film in Sicht

Produzenten werben für steuerbegünstigte Fonds – Runder Tisch mit Kanzler Schröder am Mittwoch
Mehr Geld für deutschen Film in Sicht

Auf der Berlinale herrscht Aufbruchstimmung. Nicht nur die guten Besucherzahlen bei deutschen Filmen wie zuletzt „Der Untergang“ oder „(T)raumschiff Surprise“ machen Mut, sondern auch die Hoffnung auf mehr Geld: Die Chancen für eine Einführung steuerbegünstigter Filmfonds, die Studios und Produzenten in Deutschland zu Gute kommen, wachsen.

DÜSSELDORF/BERLIN. Damit trägt nach zwei Jahren eine Initiative der Produzentenvereinigung Film 20, zu der Branchenschwergewichte wie die UFA, Teamworx und Constantin Film gehören, politische Früchte. Morgen soll ein Runder Tisch mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) den Durchbruch für das neue Fonds-Modell bringen.

„Allein, dass es zu diesem Termin mit dem Kanzler kommt, ist eine positive Vorentscheidung“, sagte gestern ein Branchenkenner in Berlin. Im Kern geht es darum, ein steuerbegünstigtes Fonds-Modell (Sale-and-lease-back) nach britischen Vorbild einzuführen. Deutsche Anleger investieren nach Brancheninformationen jährlich über zwei Mrd. Euro in Hollywood-Filme. Dieses Geld soll in Deutschland bleiben. Zum Vergleich: Die staatliche Filmförderung in Deutschland kam vergangenes Jahr nur auf 250 Mill. Euro.

„Die Vorarbeiten für eine Änderung des Einkommensteuergesetzes sind geleistet“, sagte gestern Filmfinanzierungsexperte Stefan Lütje von der Kanzlei Linklaters Oppenhoff & Rädler. Der gesetzliche Rahmen für steuerbegünstigte Filmfonds in Deutschland könnte bereits im Herbst entstehen, glauben Branchenkreise.

Produzenten und Studios sind optimistisch, ihre Interessen in Berlin durchzusetzen. Denn die Exporterfolge des deutschen Films beflügeln die Fondspläne in Berlin. Nach dem Überraschungserfolg mit „Good Bye, Lenin“ entwickelt sich nun das Hitler-Drama „Der Untergang“ zu einem Exportschlager. „Um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen, brauchen wir höhere Budgets“, sagt Georgia Tornow, Generalsekretärin von Film 20. „Private Investoren müssen ermutigt und nicht verunsichert werden.“

Christina Weiss – als Staatsministerin für Kultur eher ein politisches Leichtgewicht – macht innerhalb der Bundesregierung Druck. Bereits letzte Woche verkündete sie: „Wir wollen das Sale-and-lease-back-Modell in Deutschland einführen.“ Dieses Fondsmodell hat nach Angaben von Film 20 in Großbritannien 75 Prozent mehr Arbeitsplätze in der Filmwirtschaft geschaffen. Die Umsätze der Filmbranche hätten sich innerhalb von drei Jahren mehr als verdreifacht.

Das Berliner Fondsmodell sieht nun vor, dass mindestens 35 Prozent des Filmbudgets in der deutschen Filmwirtschaft ausgegeben werden muss. „Wir sind das einzige Land, in dem der Anreiz für die Anleger – also deren Steuervorteil – nicht an einen Ort gebunden ist“, sagt Tornow.

Gegen einen Goldregen für deutsche Produzenten, Regisseure und Studios wendet sich aber noch Finanzminister Hans Eichel. Während Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement das deutsche Fonds-Modell unterstützt, will Eichel angesichts horrender Defizite Steuer-Schlupflöcher stopfen.

In der Filmwirtschaft stößt Eichels Ablehnung auf Unverständnis. „Der Finanzminister macht es sich zu einfach. Das ist skandalös“, ärgert sich Michael Schmid-Ospach, Chef der Filmstiftung NRW. Der einflussreiche Filmförderer fordert: „Das Finanzministerium muss endlich dafür sorgen, dass nicht das ganze Investorengeld nach Hollywood abfließt.“ Nun hoffen die Filmbranche auf ein Machtwort des Kanzlers.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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