Projekt Internet.org
Wie Mark Zuckerberg den Rest der Welt erobern will

Der Facebook-Chef will selbst in den entlegensten Winkeln Menschen Internetzugang ermöglichen. Ganz uneigennützig ist das nicht. Auf dem Mobile World Congress findet er dennoch Unterstützung – selbst bei Skeptikern.
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BarcelonaBereits eine Stunde vor Einlass stehen die Besucher des Mobile World Congress in Schlangen vor dem Auditorium. Sie sind gekommen, um Mark Zuckerberg aus der Nähe zu sehen. Der Facebook-Gründer und -Chef ist ein Publikumsmagnet, wenn auch vielleicht nicht der beliebteste: Die vielen Fotos, Videos und Statusmeldungen, die die Nutzer in seinem sozialen Netzwerk veröffentlichen, machen den Netzbetreibern zu schaffen. Mit seinem Lieblingsprojekt Internet.org will er Menschen in Schwellenländern nun auch noch kostenlos ins Internet bringen.

Und so wirkt der Self-Made-Milliardär zunächst unsicher, als er auf die Bühne kommt. Das hält ihn nicht davon ab, die Netzbetreiber zu umgarnen. Er wirbt, dass sich das Projekt finanziell durchaus lohne. Seine Argumentation: Wenn die Internetneulinge den Nutzen des Netzes schätzen lernen, leisten sie sich schnell eine Datenverbindung. „Wir können helfen, weil Facebook eine der ersten Anwendungen ist, die die Leute nutzen wollen.“

Das Projekt soll helfen, jene Milliarden zu vernetzen, die bislang keinen Zugang zum Internet haben. Dabei mangele es oft nicht an der Verbindung, deklariert die Initiative – vielmehr seien die Geräte wie auch die Verträge häufig zu teuer. „Die Menschen wissen nicht, welchen Wert das Internet haben wird.“

Hier will Facebook ansetzen: Nutzer bekommen einige Apps kostenlos, etwa Gesundheitsinformationen, Wikipedia – und natürlich das soziale Netzwerk. Bisher gibt es Internet.org in sechs Ländern: Sambia, Tansania, Ghana und Kenia, außerdem in Kolumbien und seit kurzem in Indien.

Internet.org, das klingt nach einer gemeinnützigen Initiative – das Kürzel ist für Web-Adressen nicht-kommerzieller Organisationen gedacht. Allerdings ist die Vernetzung der Menschen in Afrika, Asien und Südamerika für Facebook ein Investment, das sich langfristig auszahlen soll: Das soziale Netzwerk will neue Kundschaft gewinnen.

Von den 12,5 Milliarden Dollar Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr stammte ein Großteil aus Nordamerika und Europa. Das Wachstum beeindruckt, doch es stellt sich die Frage: Wie lange kann das so weitergehen? Die Zahl der Anzeigen, die Nutzer in ihrer Timeline tolerieren, ist begrenzt, auch die Preise können nicht beliebig steigen. Will die Firma langfristig wachsen, muss sie neue Märkte erschließen. Wenn nicht heute, dann in einigen Jahren.

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Wer zahlt für Satelliten, Glasfaserkabel und Funkmasten?

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