Prospekt veröffentlicht
Mit tiefroten Zahlen geht Twitter an die Börse

Für seinen Börsengang hat der Kurznachrichtendienst Twitter die Bücher geöffnet. Der Umsatz macht riesige Sprünge, doch der Verlust ist zuletzt gewachsen. Die Hoffnung: Twitter will unverzichtbarer Lebensbegleiter sein.
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DüsseldorfOb Bundestagswahl, Olympische Spiele oder ein „Tatort“: Im Kurznachrichtendienst Twitter wird von Medien und Jedermann live kommentiert, auf Entwicklungen hingewiesen, Fotos und Videoschnipsel hochgeladen. Bei der Verfolgungsjagd vor dem US-Kapitol am Donnerstag machte in den ersten Minuten das Foto einer Journalistin Furore. Sie hatte einen Polizisten auf den Stufen des Kapitols fotografiert, der sich liegend mit einem Gewehr in Stellung gebracht hatte – verbreitet hatte sie es über Twitter.

Kaum ein Medium ist bei sich entwickelnden Ereignissen so nah dran wie der Dienst mit dem zwitschernden Vogel im Logo. Das Selbstbewusstsein über diese Stärke hat Twitter dazu gebracht an die Börse zu gehen. Auf etwa zehn Milliarden Dollar (7,4 Milliarden Euro) wird der Wert des gesamten Unternehmens geschätzt. Zunächst sollen Anteilsscheine im Wert von einer Milliarde Dollar an den Mann gebracht werden. Einen genauer Termin für den Börsengang steht nicht im Prospekt, aber Ende November gilt als wahrscheinlich..

Was die Investoren anlocken soll, ist die große Reichweite: Laut des am Donnerstag vorgelegten Börsenprospekts hat Twitter mehr als 215 Millionen aktive Nutzer pro Monat, 100 Millionen nutzten den Dienst sogar täglich, „und das annähernd weltumspannend“, hieß es. Sie schrieben rund 500 Millionen Kurznachrichten („Tweets“) pro Tag - das sind die berühmten maximal 140 Zeichen lange Nachrichten. Natürlich verbirgt sich darunter auch viel „Spam“, also aus unlauteren Motiven versendete Meldungen – etwa von dubiosen Werbetreibenden.

Wer Twitter nutzt, abonniert die Tweets, die andere über den Dienst verbreiten (etwa das Handelsblatt unter twitter.com/handelsblatt) und erhält diese im Web-Browser oder in einer App auf dem Smartphone oder Tablet angezeigt. Geld verdient Twitter, in dem es in diesen Nachrichtenstrom Anzeigen in Form beworbener Tweets einstreut, auf die Nutzerkonten bestimmter Absender hinweist oder gesponserte Schlagworte in die Top-10 der meistdiskutierten Themen einblendet.

Bislang bringt das pro Aufruf der persönlichen Nachrichtenliste („Timeline“) durch einen Nutzer gerade einmal 0,08 Cent an Einnahmen. Doch das läppert sich mittlerweile. Im Jahr 2010 hatte Twitter erst 28 Millionen Dollar eingenommen, 2011 waren es 106 Millionen Dollar und im vergangenen Jahr dann 317 Millionen. Und Twitter wächst weiter: Im ersten Halbjahr diesen Jahres hat das Unternehmen bereits 254 Millionen Dollar Umsatz gemacht. Das Problem: Von einem Gewinn ist noch nichts zu sehen. Kumuliert ist seit Firmengründung im Sommer 2006 ein Verlust von 419 Millionen Dollar angefallen.

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