Prozess zwischen dem Softwarekonzern und der US-Kartellbehörde startet in San Francisco
Oracle kämpft vor Gericht um die unwillige Braut Peoplesoft

Vom heutigen Montag an versucht der Softwarekonzern Oracle, die geplante feindliche Übernahme des Konkurrenten Peoplesoft vor Gericht durchzusetzen. Der entsprechende Prozess startet vor einem Bezirksgericht in San Francisco.

je PORTLAND. Oracle wendet sich in dem Verfahren gegen die schwerwiegenden Wettbewerbsbedenken, die das US-Justizministerium und Wettbewerbshüter von zehn Bundesstaaten gegen die Übernahme vorgebracht haben.

Die US-Kartellbehörde hatte im Februar ihre Vorbehalte bekannt gegeben. Nach US-Wettbewerbsrecht muss nun ein Gericht entscheiden. Viele Experten halten Oracles Erfolgsaussichten zwar für gering, doch der Ausgang von Gerichtsverfahren in den USA ist immer ungewiss. Richter Vaughn Walker ließ sich vor Eröffnung der Verhandlung von Experten beider Seiten die Feinheiten des Marktes für Unternehmenssoftware erklären.

Interessierte Zaungäste bei dem Prozess sind die Wettbewerbshüter der EU, die ebenfalls über die Fusionsabsichten von Oracle entscheiden sollen. Mit der Anforderung zusätzlicher Unterlagen spielen sie offenbar auf Zeit: Verliert Oracle den US-Prozess, kann auch die EU den Fall ad acta legen.

Oracle und Peoplesoft sind Anbieter von Software für die Steuerung von Unternehmensfunktionen wie Einkauf oder Buchhaltung. Marktführer ist mit Abstand die deutsche SAP, gefolgt von Oracle und Peoplesoft. Oracle hatte eine Offerte im Volumen von 7,7 Mrd. Dollar vorgelegt, gegen die sich Peoplesoft wehrt.

Oracle verfolgt den Kauf beharrlich gegen alle Widerstände. Analysten begründen das Interesse mit Oracles hoher Abhängigkeit von dem nur langsam wachsenden Markt für Datenbank-Technologie. Peoplesoft würde Marktanteile und zusätzliches Service-Geschäft bringen.

Für die Justizanwälte dreht sich der Fall um Softwarepakete für Großunternehmen. Sie kosten Millionen, sind kompliziert zu installieren, teuer zu unterhalten und binden Firmen langfristig an ihre Softwarelieferanten. Nach der Fusion von Oracle/Peoplesoft gäbe es auf diesem Markt nur noch zwei dominante Anbieter, sagen sie; das sei wettbewerbsschädlich und würde zu Preiserhöhungen führen.

Preston McAfee, Professor am California Institute of Technology, schätzt, dass die Kosten für bestimmte Software um bis zu 28 % steigen könnten. McAfee ist einer von drei Professoren, die das Justizministerium in dem Prozess als Sachverständige aufrufen will. Unter anderem will das Justizministerium Softwareeinkäufer von 14 Unternehmen, darunter von Daimler- Chrysler, als Zeugen aufrufen.

Oracle argumentiert, es gebe auf dem Markt zahlreiche Anbieter, darunter Siebel Systems und IBM. Außerdem sei allein SAPs Stellung stark genug, um Preistreiberei zu verhindern. Zudem strebe auch Microsoft in das Geschäft mit professionellen Anwendungen. Larry Ellison, Oracles forscher Chef, der sich jahrelang über Microsoft als innovationslahmen Monopolisten mokierte, lobt das Unternehmen neuerdings als Garant des Wettbewerbs bei Firmensoftware.

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