Qimonda-Insolvenz wiegt schwer
Silicon Saxony wird kräftig schrumpfen

Die Zeit wird knapp: Zweieinhalb Wochen hat Insolvenzverwalter Michael Jaffé noch, um einen Investor für den Speicherchiphersteller Qimonda zu finden. Bleibt die Suche erfolglos, gehen im größten Werk des Konzerns in Dresden die Lichter aus. Das lässt nicht nur die Mitarbeiter bangen. Auch viele Lieferanten und zahlreiche Forschungseinrichtungen in der Region zittern.

DRESDEN/MÜNCHEN. „Vielfältig und lebendig“ sei die Informationstechnik- und Mikroelektronikbranche in Sachsen, heißt es in der Werbung des Interessenverbands „Silicon Saxony“. Doch damit könnte es schon bald vorbei sein. Denn an Qimonda hängen zahlreiche Zulieferer: „Die Lieferanten haben hier Service- und Ersatzteilstationen aufgebaut“, sagt Wolfgang Schmid, der die Geschäfte des Konzerns in Dresden führt. „Diese kurzen Wege sind unglaublich wichtig.“

Qimonda ist einer der wichtigsten Geldgeber für Forschung und Entwicklung in der Region. Gleich drei Einrichtungen sind durch die Qimonda-Pleite bedroht: Das Nanoelectronic Materials Laboratory (NaMLab) an der TU Dresden, das Fraunhofer Center Nanoelektronische Technologien (CNT) und das Advanced Mask Technology Center (AMTC).

Wie die Zukunft ohne Qimonda aussehen könnte? Darüber mag im Silicon Saxony kaum jemand reden. Auch die 150 Mitarbeiter im AMTC nicht. Das Gemeinschaftsunternehmen von Qimonda mit dem ebenfalls angeschlagenen Halbleiterhersteller AMD und Toppan Photomasks gehört zu den führenden Entwicklungszentren und Herstellern von Fotomasken, die für die Chipfertigung einen zentrale Funktion haben. „Nach Rücksprache mit unseren Joint-Venture-Partnern sind wir nicht autorisiert worden, Auskunft zu geben“, sagt eine Sprecherin.

Die Abwehrhaltung ist verständlich, denn AMTC leidet doppelt. Auch Gesellschafter AMD steht unter Druck. Der US-Konzern schreibt tiefrote Zahlen und hat seine Dresdener Werke gerade in eine Gemeinschaftsunternehmen mit Investoren aus Abu Dhabi eingebracht. AMD ist neben Qimonda der zweite große Chiphersteller an der Elbe. Nummer drei ist der angeschlagene Halbleiterproduzent Infineon, der zudem die Mehrheit an Qimonda hält.

Auch bei NaMLab, einer Einrichtung von Qimonda und der TU Dresden, in der neue Materialien für zukünftige Speichertechnologien erforscht werden, ist man angesichts der prekären Lage schmallippig. „Die Folgen für NaMLab werden derzeit intensiv in den Gremien diskutiert. Aus diesem Grund können wir dazu keine Stellung nehmen,“ sagt ein Sprecher.

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