Denn auch wenn Qimonda derzeit gut unterwegs ist, ging der Börsengang im Sommer nur mit Hängen und Würgen über die Bühne. Infineon konnte sich von weniger Anteilen trennen als ursprünglich geplant und musste einen niedrigeren Preis akzeptieren. Noch aber kann Infineon ganz froh sein, dass man noch die Mehrheit hält. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2006/2007 schaffte Infineon nur dank der Gewinne der Tochter Qimonda die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Das neue Kerngeschäft mit Logikchips schrieb dagegen rote Zahlen.
Qimonda erhofft sich vom hohen Speicherbedarf des neuen PC-Betriebssystems Windows Vista zusätzliche Wachstumsimpulse. Auch der Einzug der Computertechnik in die Unterhaltungselektronik soll der Infineon-Speicherchiptochter zu höherem Absatz verhelfen. „Das starke Wachstum der Speicher pro System von 40 bis 50 Prozent verglichen mit dem Vorjahr wird hauptsächlich von Windows Vista vorangetrieben“, sagte Unternehmenschef Kin Wah Loh auf der Hauptversammlung. Da die Anwender das neue Microsoft-Betriebssystem nur mit einem Arbeitsspeicher von mindestens einem Gigabyte ordentlich nutzen könnten, rechne er damit, dass die Computerhersteller ihre Rechner mit etwa je zwei Gigabyte ausstatten werden. Folglich werde die Produktion von DRAM-Speicherkapazität 2007 weltweit um 55 bis 65 Prozent zunehmen.
Qimonda will sich trotzdem unabhängiger machen vom Geschäft mit Speicherchips für Personal Computer, denn es ist sehr volatil – wie das Beispiel Windows Vista zeigt.„ Der wichtigste Eckpeiler unserer Strategie ist es, den durchschnittlichen Verkaufspreis zu erhöhen“, sagte Vorstandschef Kin Wah Loh. Der Hersteller wolle sich dazu auf Bereiche konzentrieren, die weniger schwankungsanfällig seien und höheres Umsatzwachstum böten. Als Beispiele nannte er Chips für Spielekonsolen, Grafikkarten, Handys und die Konsumelektronik. Hier sei Qimonda schon auf einem guten Weg. In den vergangenen beiden Quartalen seien fast 60 Prozent des Absatzvolumens im Nicht-PC-Bereich erzielt worden.
Aufsichtsrats-Vorsitzender Fischl dämpfte am Rande der Veranstaltung als Infineon-Finanzchef Erwartungen, sein Haus werde in naher Zukunft weitere Anteile an Qimonda verkaufen. Auf die Frage, ob Infineon unmittelbar nach Ende der Sperrfrist Mitte Februar Aktienpakete auf den Markt bringen werde, antwortete er: „Naja, der Kurs ist zur Zeit ja nicht so gut.“ Die Qimonda-Aktie schloss am Montag an der New Yorker Börse bei 14,55 Dollar und damit rund 1,50 Dollar über dem Emissionskurs. Infineon-Chef Wolfgang Ziebart hatte nach dem IPO angekündigt, das Unternehmen wolle sich zügig von weiteren Anteilen trennen. Den Zeitpunkt hatte er aber wiederholt an den Kurs der Qimonda-Aktie, den Speicherchipzyklus, den Geschäftserfolg der Tochter und den Geldbedarf Infineons geknüpft.

