QSC macht Rückzieher
Telekom-Dienstleister verkauft DSL-Netz doch nicht

QSC unterhält ein schnelles Datennetz für Geschäftskunden, im Dezember hatte der Telekom- und IT-Dienstleister verkündet, es zu verkaufen. Nun hat QSC es sich anders überlegt. An der Börse kam die Nachricht nicht gut an.
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DüsseldorfDer Telekom- und IT-Dienstleister QSC will sein schnelles Datennetz nun doch nicht verkaufen. Diese Option werde nicht weiter verfolgt, teilte das Kölner Unternehmen am Donnerstag mit. QSC-Chef Jürgen Hermann erklärte seinen Sinneswandel damit, dass sich ein großer Konkurrent aus dem Markt zurückziehen wolle – den Namen nannte er nicht.

Im Dezember hatte QSC mitgeteilt, verschiedene Möglichkeiten für sein DSL Netz zu prüfen, darunter eine Veräußerung. Branchenkennern zufolge sprach der Vorstand darüber unter anderem mit United Internet. Der Chef des Internetunternehmens, Ralph Dommermuth, bestätigte am Donnerstag Gespräche mit QSC, der Inhalt sei aber vertraulich.

An der Börse kam die Nachricht nicht gut an. Die QSC-Aktien gaben im TecDax zeitweise mehr als acht Prozent nach. Die Spekulationen über einen Netz-Verkauf hatten die Papiere seit Jahresende angetrieben.

„Nachdem diese Gerüchte nun verpufft sind, guckt man wieder auf die Fundamentaldaten und die sind nicht so rosig, daher ist ein Kurs von zwei Euro nicht mehr gerechtfertigt“, sagte Marcus Silbe, Analyst bei Oddo Seydler Bank. Auch die United Internet-Titel verloren an Wert.

QSC unterhält eine großes Datennetz für Geschäftskunden. Als eine mögliche Strategie hatte Firmenchef Hermann die gemeinsame Nutzung mit einem anderen Anbieter genannt, um Fixkosten zu senken. QSC sei mit mehreren Unternehmen im Gespräch, hatte er zu Reuters gesagt.

Nun habe sich aber die Wettbewerbssituation geändert, begründete das Unternehmen Festhalten am Netz. „Unterstützt durch den Rückzug eines großen TK-Anbieters aus dem deutschen Festnetz-Geschäft plant QSC, ihr TK-Geschäft für Geschäftskunden zu stärken und über das Jahr 2020 hinaus profitabel zu betreiben.“

Zu den großen Konkurrenten zählen die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica. Rückzugspläne einer dieser Firmen sind bisher nicht bekannt. Vodafone stärkte erst jüngst sein Festnetzgeschäft mit der Übernahme von Kabel Deutschland.

Die E-Plus-Mutter Telefonica Deutschland zieht sich zwar nach und nach von der eigenen DSL-Infrastruktur zurück, unterhält aber eine langfristige Kooperation mit der Deutschen Telekom für schnelle Internetverbindungen auf VDSL-Basis.

In die Strategie von United-Internet-Chef Dommermuth hätte ein Deal mit QSC gepasst. Der Milliardär baut derzeit ein eigenes Netz an superschnellen Datenautobahnen auf und will damit vor allem Geschäftskunden erreichen.

Im September brachte er den zweitgrößten deutschen Glasfaserbetreiber Versatel unter seine Kontrolle. Weitere Zukäufe zur Ergänzung der Infrastuktur seien denkbar, sagte Dommermuth am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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