Quartalszahlen
Anzeigenflaute verhagelt Lycos das Geschäft

Ein schwaches Werbegeschäft hat das Webportal Lycos Europe im dritten Quartal operativ tiefer in die roten Zahlen getrieben. Nur ein Sonderertrag aus einem Unternehmensverkauf rettet die Bilanz des Internetportals.

pos DÜSSELDORF. Der Betriebsverlust stieg von Juli bis September auf 4,9 Mill. Euro nach 1,5 Mill. Euro im Vorjahreszeitraum, teilte Lycos am Dienstag mit. Unter dem Strich blieb beim Nettogewinn zwar ein Plus von 9,1 Mill. Euro. Das ist aber dem Verkauf der schwedischen Tochter Spray zu verdanken. Der brachte einen Einmalertrag von 14,8 Mill. Euro.

„Wir haben wichtige Produkte nicht rechtzeitig aktualisiert“, räumt Vorstandschef Christoph Mohn im Gespräch mit dem Handelsblatt ein. Das hatte die Attraktivität einiger Lycos-Dienste für Surfer und Anzeigenkunden geschmälert. Die Entwicklungsressourcen hatte das Unternehmen 2005 auf die Bezahldienste (wie E-Commerce) konzentriert. Außerdem durchlief Lycos eine schmerzhafte Restrukturierungsphase mit Entlassungen und Standortverlagerungen, was zusätzliche Reibungsverluste verursachte.

Als dann noch eine Flaute im Online-Werbemarkt Frankreich hinzukam, war – aufaddiert für die ersten neun Monate 2006 – ein Minus von sieben Prozent im Anzeigenumsatz perfekt. Frankreich trägt ein Viertel zu den Anzeigenerlösen bei.

Wie gravierend sich Lycos mit dem Minus vom Markt abhebt, zeigt der Vergleich mit den Zahlen des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft. Der hatte im September nach einem „fulminanten ersten Halbjahr“ mit einem Wachstum der Online- Werbeumsätze von 69 Prozent die Gesamtprognose für den deutschen Online-Werbemarkt massiv von 1,3 auf 1,65 Mrd. Euro angehoben.

In den kommenden drei Monaten will Mohn alle wichtigen Dienste runderneuert haben. „Danach sollte die Schwäche ausgestanden sein“, hofft er. Im vierten Quartal wird der Umsatz (bereinigt um die verkaufte schwedische Tochter) zwischen „21 und 24 Mill. Euro“ liegen, sagt Mohn.

Der bereinigte Neunmonats-Umsatz des im niederländischen Haarlem ansässigen Unternehmens stagnierte bei 59 Mill. Euro, maßgeblich aufgrund des schwachen dritten Quartals mit einem Minus von 13 Prozent auf 17,4 Mill. Euro. Für das Gesamtjahr verspricht Mohn einen Nettogewinn um fünf Mill. Euro. Der Betriebsverlust soll auf etwa zehn Millionen Euro halbiert werden.

Die angekündigte Übernahme des Karlsruher Spezialsoftware-Anbieters Mentasys für bis zu 30 Mill. Euro in bar soll bis Jahresende abgeschlossen sein. Mit der danach gestärkten Position im Online-Shoppingsektor will Mohn den Schritt in die USA, die Wiege des Internets, wagen. Allerdings nicht unter der Marke Lycos (das darf nur die Lycos Inc., die völlig von Lycos Europe getrennt ist), sondern als Anbieter von Web-Technologie und E-Commerce-Services für Dritte. Die Lycos-Europe-Aktie lag im späten Handel unverändert zum Vortag bei einem Euro.

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